Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 236)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7248-3483396- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
98 3. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte tischen Diskussion die Argumente juristisch zu werden beginnen, ist die Sache selbst schon sehr schwach. Damit kann man politische Lebensmächte nicht aus der Welt schaffen oder eindämmen. Sechs Jahre hindurch haben wir Vorprobleme der Agency diskutiert und die wahren Probleme noch nicht zu diskutieren begonnen. Diese wahren Agency-Probleme werden am 1 1. August 1929 plötzlich vor uns stehen, und diese Probleme heissen: Was tun wir, wie wollen wir es erreichen, dass aus der Agency das grosse Instrument des Palästina-Aufbaues wird, das wir schaffen wollen, das Instrument systematischer Einwanderung, systematischer und grosszügiger Kolonisation, systematischer Finanzierung? Damit fangen die wahren Agency-Probleme erst an. Und was ist der Stand der Vorbereitungsarbeiten auf diesem Gebiete? Es ist nicht gut, dass wir in der Hitze der acht Kongresstage an die Klärung dieser Probleme herangehen müssen. Aber es bleibt mir nichts übrig, als zu versuchen, einige der Grundfragen hier festzustellen und eine rohe Skizze zu geben zu unserem Arbeitssystem in der Agency, wie ich es mir denke. Unser erstes Bestreben muss darauf gerichtet sein, dass die Agency, so wie die zionistische Exekutive in Palästina es in der Vergangenheit hat sein wollen, die zentrale Instanz der nationalen Kolonisation im Lande bleibt. Wer die Wirtschaftspsychologie unserer neuen Partner kennt, weiss, dass die ernste Gefahr besteht, dass sich Anschauungen geltend machen, die in einer anderen Richtung gehen wie die, die in unserer alten Diskussion über „Dinge und Bedingungen**, die von Wolffsohn über Brandeis und de Lieme reichte, zum Ausdruck kam. Es besteht die Gefahr, dass die Agency sich damit begnügen könnte, Bedingungen für die Wirtschaftsarbeit zu schaffen, die Wirtschaftsarbeit selbst, die Aufbautätigkeit, die „Dinge**, der Prozess der Einwanderung aber der freien Initiative der Einzelnen überlassen werden könnte. Ich sehe darin eine schwere Gefahr. Ich glaube, dass wir nicht nur die Jahre 1924/25 nicht vergessen sollten, jene wahnwitzige Welle der Bodenspekulation, die einsetzte, da die zionistische Exekutive an die Wand gedrängt wurde und nicht mehr Herr der Situation war. Wir wollen auch nicht vergessen, was im Verlauf der letzten zwei Jahre in der Orangenzone geschehen ist. Es hat da eine starke Expansion jüdischer Pflanzung gegeben. Diese Expansion ist aber vom Standpunkt nationaler Kolonisation für uns ungemein gefährlich. In der zionistischen Presse ist die freudige Nachricht aufgetaucht, dass eine private Korporation 8000 Dunam Boden für Orangenpflanzungen angekauft hat. Diese Expansion privater Latifundienwirtschaft in der Orangenzone, die für uns der wichtigste Gürtel für intensive Volkskolonisation ist, die wichtigste Basis für eine Arbeitskolonisation, geschieht frei und anarchisch. (Zwischenrufe: Warum anarchisch?) Anarchisch deshalb, weil dieser Boden, wenn er unter nationaler Kontrolle stünde, 600 selbstarbeitenden Familien ein Leben der Arbeit, der ökonomischen Selbständigkeit hätte geben können. Keinen