Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 226)
- Language
- German, English, Hebrew
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88 3. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte ein guter Kaufmann zu sein. Die Bilanz des Zionismus beruht doch nicht nur auf Ziffern, sondern auf dem lebenden, brennenden Gefühl für den Aufbau des jüdischen Landes. Die zionistischen Führer erklären, dass man jetzt neue jüdische Kräfte heranziehen muss. Bis jetzt hat man überhaupt nicht daran gedacht, dass es auch ausserhalb des Kongresses Juden gibt, mit denen man rechnen muss. Ja, man hat sich auch kein Gewissen daraus gemacht, mit Teilen der Organisation selbst nicht zu rechnen. Heute hat man über die Flügel mit Verständnis, mit Respekt, mit Anerkennung geredet, jetzt fangen alle an zu verstehen, dass ein Zionismus, der nicht auf dem geistigen Verständnis des Judentums basiert, bankrott werden muss. Es kann sein, dass die Flügel in dieser Hinsicht viel reifer sind, einander verstehen und schätzen und einsehen, dass ein Volk von allen gebaut werden muss. Das wTird zu einer merkwürdigen Erscheinung auf dem Kongress führen, wenn wir über das Budget sprechen werden, das man beantragt. Dieses Budget ist unter Zuziehung von Vertretern aller Richtungen ausgearbeitet worden. Wenn der Misrachi mehr Kolonisation verlangt und wenn die Linke versteht, dass die religiöse Arbeit für den Aufbau Erez Israels notwendig ist, wie kann das sein? Aber wenn man den geistigen Zionismus zu verstehen beginnt, dann versteht auch einer den andern. Einer versteht die Schmerzen des andern und die Bedürfnisse des andern. Da ist eine Sache, welche alle berührt hat, und das ist die Sache mit der Klagemauer. Leider ist sie heute in der Rede des Präsidenten nur kurz gestreift worden. Aber das jüdische Gewissen, welches versteht, dass Erez Israel nicht bloss eine ökonomische, sondern eine geistige Frage ist, erhebt sich und revoltiert gegen den Zustand. Während wir über den Aufbau des Landes reden, geht die Regierung und nimmt uns selbst die Erinnerung an die Zerstörung unseres Landes. Und an der Klagemauer wird von denen gebaut, welche sie mit Gewalt erobert haben. Es wurde gesagt, dass es ein Unrecht sei, wenn Teile der Organisation selbständig zur Regierung gehen, statt dass die zionistische Führerschaft in ihrem Namen spricht. Wir stimmen dem vollkommen zu, dass das nicht geschehen darf. Aber wenn die Exekutive unsere Schulen nicht schützen wird, dann werden wir genötigt sein, alle unsere Kräfte anzuspannen und unser Recht gegen die zu schützen, die uns unsere Kinder, unsern wertvollsten Besitz rauben. Es ist wirklich an der Zeit, wie Dr. Weizmann erinnert hat, für die zionistische Tätigkeit auf längere Zeit einen Plan auszuarbeiten. Aber wie wir verstanden haben, dass wir krank sind, weil der Zionismus nur einen kleinen Teil des jüdischen Volkes erfasst hat, müssen wir verstehen, dass der Zionismus auch nur einen kleinen Teil des jüdischen Geistes in sich aufgenommen hat; das ist seine Krankheit. Wir erinnern uns an den schönen Gedanken des Oneg Schabbath, und alle freuen sich, wenn eine Organisation geschaffen worden ist, die darauf