Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 224)
- Language
- German, English, Hebrew
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86 3. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte punkt war stets, dass das Judentum praktiziert werden müsse, nicht bloss erkannt und gelernt. Dr. Ruppin sagte, mit der Wirtschaft allein werde Erez Israel nicht aufgebaut. Das ist die Theorie des Misrachi. Der Misrachi hat nie einen Kampf gegen wirtschaftliche Methoden geführt, sondern ist stets aus freiem Willen und mit Verständnis und tiefer Liebe zu Erez Israel für eine vergrösserte Kolonisation, für eine starke Palästina-Arbeit, für eine stärkere Alijah eingetreten, kurz für alles, was mit dem wirtschaftlichen Aufbau zu tun hat. Das Einzige, was der Misrachi stets betonte und was wir heute von der zionistischen Leitung gehört haben, ist, dass mit dem wirtschaftlichen Aufbau allein Erez Israel nicht geschaffen wird. Es entsteht die Frage: Was ist das höhere nationale Gefühl, über welches heute gesprochen wurde? Es wurde richtig dahin definiert, dass der Dünkelhass keine Eigenheit des jüdischen Volkes sei. Ein Delegierter hat heute bei einer ähnlichen Darlegung den Zwischenruf Brith Schalom gemacht. Ich sage Ihnen: Sehr viel vom Brith Schalom ist nicht in unserem Programm enthalten. Wir wollen eine Mehrheit in Erez Israel. (Beifall.) Wir stehen nicht auf dem Standpunkt, dass Erez Israel zwei Völkern gehöre (Beifall), aber der Gedanke des Hasses, des Kampfes, des Schwertes ist nicht jüdisch und gehört nicht zu uns. Doch damit allein ist das jüdische nationale Wesen noch nicht höher als jedes andere. Diese höhere Nationalität, von welcher heute als von dem Leitmotiv für die zukünftige Arbeit gesprochen wurde, besteht darin, dass das jüdische Volk nicht nur einen gewissen philosophischen Gedanken, nicht nur einen gewissen wirklichen Glauben, nicht nur eine gewisse Wellanschauung besitzt, sondern dass das ganze jüdische Leben ohne Vergleich mit dem irgend eines andern Volkes ist. Darum sagt der Misrachi schon seit Jahren und auch jetzt beim Eintritt in die neue Epoche für Erez Israel. Wir müssen verstehen, nicht nur gemeinsam den Boden von Erez Israel zu bebauen, sondern das gemeinsame Verständnis soll auch so weit reichen, um den Geist des Judentums in Erez Israel aufzubauen. Der Geist des Judentums unterscheidet sich von dem aller anderen Völker dadurch, dass es bei uns keine Trennung zwischen dem religiösen Leben einerseits, dem bürgerlichen und geschäftlichen Leben anderseits gibt. Und so muss es auch bei uns sein. (Zwischenruf: Unmöglich!) Diejenigen, die auf dem Standpunkt stehen, dass dies eine Unmöglichkeit ist, sollen in der Diaspora bleiben. In Erez Israel muss der Geist herrschen, der die Grundlage des Judentums bildet, und man sollte wissen, dass es an derselben Stelle, in demselben Satz, in demselben Buch, die das Wesen der jüdischen Existenz bildeten und dem einzelnen sagten, was er als Jude tun müsse, als Mensch, als Kaufmann, als Bürger, auch heisst, dass der Jude den Sabbath wahren müsse, die Jamimtowim, wie er zu essen und nach welchen Lebensformen er sich zu verhalten habe. (Beifall.) In Erez Israel muss dieser höhere Nationalis-