Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 221)
- Language
- German, English, Hebrew
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Brodetsky 83 kommt noch ein zweites Moment. Die Menschen haben einen grösseren Respekt vor einer Organisation, für die sie zahlen. Der Schekel genügt nicht, nicht nur finanziell, sondern auch vom Standpunkt der Idee, vom Standpunkt der Schaffung einer starken Organisation. Eine Organisation kann nicht aus Menschen bestehen, die nicht die ständige Pflicht auf sich nehmen, die Organisation zu erhalten. Die verschiedenen Organisationen und Ortsgruppen müssen verschiedene Beiträge leisten, die der Kongress zu beschliessen haben wird. Jeder Zionist muss ausser dem Schekel noch eine Summe als Mitgliedsbeitrag für die Organisation leisten. Die ganze Schekel frage werde ich nicht behandeln, weil die Exekutive noch keine Beschlüsse darüber gefasst hat und auch weil die Frage sehr kompliziert ist. Die Juden in aller Welt sind gewöhnt, wenn es zum Kongress kommt, Schekel zu kaufen und zu wählen. Es würde schaden, wenn man diese Gewohnheit abschaffen würde. Die Juden aber, welche wirkliche Mitglieder der Organisation sein wollen, müssen daran denken, dass sie ausser dem Privilegium und dem Recht zu stimmen, auch die Pflicht haben, einen Beitrag zur Erhaltung der Zionistischen Organisation zu leisten. Drittens schlagen wir vor: Die Arbeit der Propaganda und Organisation ist zu kompliziert, um von einer Stelle in London geführt zu werden. Eine solche Arbeit kann nicht zentralisiert werden. Diese Arbeit muss verschiedene Schattierungen in verschiedenen Ländern haben, und wenn wir sie richtig leisten wollen, müssen wir die Verhältnisse in den verschiedenen Ländern verstehen. Wir schlagen vor, dass dieser Kongress eine ständige Kommission von acht führenden Zionisten der Welt wähle, welche als Beirat der Exekutive fungiert und sie hinsichtlich der Propaganda und Organisationsarbeit in allen Ländern unterrichtet und berät. Der vierte und vielleicht wichtigste Punkt von allen ist die Frage der Jugend. Die Arbeit unter der zionistischen Jugend und der jüdischen Jugend überhaupt ist, das werden Sie alle zugeben, nicht sehr zufriedenstellend, schon in ihrem zahlenmässigen Ergebnis. Es sind viel zu wenig Jünglinge und Mädchen Mitglieder der verschiedenen Organisationen, welche wir Zionisten oder welche sie selbst geschaffen haben. Wir haben zu wenig für die Jugend getan. Den Juden, welcher aus der jüdischen Gasse kommt und die Bitterkeit des jüdischen Lebens kennt, genügt es, an jüdisches Leben, jüdisches Leid, jüdische Galuth und jüdische Ideale zu erinnern. Aber die Jugend, die fern von der jüdischen Gasse und in keiner Berührung mit dem jüdischen Leben lebt, genügt es nicht bloss zu erinnern, man muss mit ihr lernen. Wir brauchen zionistische Propaganda, aber wir brauchen auch zionistischen Unterricht. Wir müssen mit den jungen Menschen philosophieren, wir müssen ihnen eine neue