Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 204)
- Language
- German, English, Hebrew
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66 2. KONGRESS-SITZUNG: Bericht und Zukunftsprogramm der Exekutive gebende Quelle in den Traditionen und Wünschen der jüdischen Masse hat. Wir treten in einem historischen Momente zusammen. Wenn wir mit Problemen zu tun haben, die Lebensinteressen der Zionistischen Organisation berühren, so liegt gleichzeitig vor uns eine lang erwartete Möglichkeit, die vielleicht nicht wiederkehrt, die zur Entwicklung des jüdischen Nationalheims zur Verfügung stehenden Kräfte zu stärken. Niemals stand ein Zionistenkongress vor wichtigeren Entscheidungen, niemals war ein Kongress mit grösserer Verantwortung belastet. Die Stunde der Entscheidung naht. Die Fragen, vor denen wir stehen, sind unausweichlich. Sache des Kongresses ist es, sie mit Mut, Würde und klarem Urteil zu beantworten. Ich bin überzeugt, dass der Kongress d:ese Aufgabe erfüllt. (Lebhafter Beifall.) Ich bitte um Verzeihung, dass ich Sie solange aufgehalten habe. Es war vielleicht mir schwerer zu sprechen als Ihnen zuzuhören. Ich habe noch einige kurze persönliche und allgemeine Bemerkungen hinzuzufügen. Ich will nicht den Ton der Polemik in meine erste Ansprache hineinbringen, aber ich mache den Kongress aufmerksam, dass die Exekutive und ich sehr darauf dringen werden, besonders in der politischen Arbeit strenge Disziplin zu halten. Geehrter Kongress! Es geht nicht an, dass eine Gruppe oder Gruppen sich die Prärogative nehmen, die nur der von Ihnen gewählten Exekutive gehören, mit der englischen oder anderen Regierungen zu verhandeln. (Rufe: sehr richtig.) Ich will nichts mehr in diesem Momente sagen und behalte mir vor, in der politischen Kommission ausführlich darüber zu sprechen. Es geht nicht, es schadet den Verhandelnden und es schadet der Zionistischen Organisation. Genau so geht es nach meiner tiefsten und vollsten Ueberzeugung nicht an, heute schon in irgend einer Form direkt oder indirekt eine zionistische Institution gegen eine andere auszuspielen (Rufe: sehr richtig). Wir sind alle — und ich glaube, ich habe das Recht, es auch von mir zu behaupten — dem Keren Kajemeth mit Leib und Seele ergeben. Aber es wird verhängnisvoll werden, wenn der Keren Kajemeth gegen die Jewish Agency ausgespielt wird. Nun gestatten Sie mir zum Schluss eine persönliche Bemerkung: Zu meinem tiefsten Bedauern war meine Tätigkeit fast ein ganzes Jahr gelähmt, und es fiel auf die Schultern meiner Kollegen, in schweren Momenten schwerwiegende und verantwortungsvolle Verhandlungen zu führen. Eis ist mir nun ein