Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 183)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ruppin 45 fünf oder zehn Jahre mit Sicherheit voraussehen konnten. Ich hoffe, einer der ersten Schritte der erweiterten Jewish Agency wird es sein, diesen Mangel zu beheben. Wie bei der jüdischen Kolonisation in Russland oder bei der englischen Kolonisation in Kanada oder in Australien die Ansiedlung einer bestimmten Zahl von Familien innerhalb einer bestimmten Zeit das Ziel ist, so müssen wir uns auch in Palästina ein solches Ziel stecken. Erst dadurch werden wir jedes Jahr eine Rechnung machen können, ob wir unsere Gewissenspflicht erfüllt haben. Dass die Erweiterung unserer kolonisatorischen Arbeit eine viel stärkere Tätigkeit auf dem Gebiete des Bodenerwerbs durch den jüdischen Nationalfonds verlangt und ohne eine solche eine Utopie bleibt, ist in den letzten Jahren so klar zutage getreten, dass es bereits Gemeingut aller an Palästina interessierten Kreise geworden ist. Hier muss eine besonders energische Arbeit einsetzen. Daneben scheint mir auch die Organisation der kolonisatorischen Arbeit eine neue Form zu fordern. Sie muss, wie ich bereits auf früheren Kongressen verlangt habe, auf einen besonderen Kolonisationsfonds oder eine Ansiedlungsbank übergeleitet werden. Dieser Institution muss ein bestimmter Prozentsatz von dem jährlichen Keren Hajessod-Budget zugesichert werden. Der Zustand, dass die landwirtschaftliche Kolonisation, die doch die Grundlage all unserer Arbeit ist, als Aschenbrödel die Brocken bekommt, welche die übrigen sogenannten festen Ausgaben übrig lassen, muss endlich aufhören. Man kann einwenden, dass sogar eine Million Juden in Palästina doch nur 5 Prozent alier Juden der Welt ausmacht und dass also noch immer 95 Prozent in den Ländern der Galuth verbleiben. Das ist in der Tat nicht zu ändern. Kein ernsthafter Zionist hat je daran gedacht, dass Palästina alle Juden der Welt aufnehmen könnte. So wie schon zu Zeiten des alten jüdischen Staates die Juden in den Diasporaländern viel zahlreicher waren als in Palästina selbst, so werden wir uns auch für die Zukunft mit der Tatsache einer grossen jüdischen Diaspora abfinden müssen. Aber Palästina kann den Mangel heilen, an dem diese Diaspora jetzt leidet. Jetzt sind die Judenheiten der verschiedenen Länder nur disjecta membra, denen ein zentraler Impuls, ein Herz fehlt. Palästina kann für sie dieses Herz werden, der geistige Motor, der aus der Tiefe des jüdischen Gemeinschaftslebens in Palästina neue Werte schöpferisch hervorbringt, sie der Diaspora weitergibt und hierdurch in den Zerstreuten wieder das Gefühl der Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft erweckt. Aber noch ein zweiter Einwand erhebt sich: auch eine Million Juden in Palästina nach zwanzig oder dreissig Jahren wird weniger sein als die Zahl der Araber, die heute schon dreiviertel Millionen beträgt, und die infolge ihrer ausserordentlich hohen natürlichen Vermehrung in dreissig Jahren auf mehr als eine Million anwachsen werden. Ganz abgesehen davon, dass eine Million Juden noch nicht für alle Zeiten das Endstadium zu sein braucht, hat dieser Einwand nur für denjenigen Bedeutung, der glaubt, dass es gegen eine Majorisierung der Juden durch die Araber io