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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 43

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 43 (sequence 181)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476286--7193-3483341
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Ruppin 43 Kinder und für geordneten Gottesdienst, genügen in dem heutigen Kampfe nicht mehr. Die Juden der ganzen Welt haben im letzten Jahrhundert von den Energien gelebt, die die osteuropäische Judenheit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert durch Konzentration ihres Geistes auf die jüdische Literatur und durch Heiraten innerhalb des eigenen Kreises in sich aufgespeichert hatte. Die jüdischen Auswanderer aus Osteuropa brachten diese jüdischen Energien in die Auswanderungsländer mit. Mit der Sperrung der Einwanderungsländer und mit der drohenden Erschöpfung des Kräftereservoirs in Osteuropa ist die Judenheit ausserhalb Osteuropas auf ihre eigenen Kräfte zu ihrer Verteidigung angewiesen. Und es scheint, als ob diese Kräfte zur Abwendung der Gefahren nicht ausreichen, als ob das Judentum sich auf einer abschüssigen Bahn bewegt, an deren Ende der Untergang steht. Wem dies nichts sagt, wer der Auflösung der Juden als einer besonderen ethnischen Gruppe und ihrem Aufgehen in der übrigen Menschheit teilnahmslos zusieht, mit dem ist freilich nicht zu rechten. Aber er zeigt Mangel an Verständnis für das, was die Judenheit jetzt und in Zukunft für die Menschheitskultur bedeutet und für das, was der einzelne Jude von heute der Judenheit schuldet. Hätten die Juden nicht durch ihren engen Zusammenschluss alle in ihnen enthaltenen natürlichen Anlagen konserviert und immer höher in der Richtung der Geistigkeit gezüchtet, so hätten sie der Menschheit viel weniger bedeutende Männer auf dem Gebiete von Wissenschaft und Wirtschaft gestellt und sie selbst wären nicht auf die kulturelle und wirtschaftliche Höhe gelangt, die sie innehaben. Nur Kurzsichtige können den Schatz an ererbten Anlagen und kulturellen Werten, den unsere Vorfahren in drei Jahrtausenden erwarben und uns als Erbe hinterliessen, als wertlos wegwerfen. Tatsächlich ist die Zahl der Juden, denen das Verschwinden der Juden gleichgültig ist, gering. Viel grösser ist die Zahl derjenigen, die die Grösse der Gefahr nicht sehen. Weil es sich hierbei nicht um plötzlich eintretende Erscheinungen handelt, die dem Beobachter einen Schock versetzen, sondern um Erscheinungen, die aus kleinen Anfängen langsam zu grossem Umfange anwachsen, weil man Zeit hat, sich an diese Erscheinungen zu gewöhnen und sich damit zu trösten, dass das, was in der Vergangenheit dem Judentum keinen tödlichen Streich versetzt hat, es auch in der Zukunft nicht tödlich treffen kann. Aber die Gefahr hat eben heute einen ganz anderen Umfang und Charakter angenommen als früher. Was können wir zur Abwehr dieser Gefahr tun? Für uns Zionisten ist es klar, dass die Diaspora aus sich heraus nicht die Antitoxine schaffen kann, die gegen die Einwirkungen der Assimilation schützen können. Unter den Stössen der starken fremden Kulturen muss das jüdische Leben hier zwangsmässig Form und Inhalt von den umgebenden Kulturen bekommen. Es werden ihm keine eigenen Werte bleiben, die zu einem Weiterbestand inmitten einer feindlichen Umwelt genügen. Nur abseits von der grossen Heerstrasse der christlichen Kultur, in einem Lande, mit

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