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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 42

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 42 (sequence 180)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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42 2. KONGRESS-SITZUNG: Referat über die Bedeutung Palästinas wo sie selbstverständlich von jüdischer Geschichte und Religion nicht das Geringste erfahren. Hier gehen vor unsern Augen Hunderttausende von jüdischen Kindern dem jüdischen Volke für immer verloren. Aber nicht nur in Sowjetrussland, auch in den anderen Ländern Osteuropas ist die Lage gegenüber der Vorkriegszeit gänzlich verändert. Mit der gesetzlichen Gleichberechtigung der Juden und mit dem starken kulturellen Aufstieg der Länder Osteuropas seit dem Weltkriege nähern sich die Juden in viel stärkerem Masse als früher der christlichen Kultur. In Polen, wo 1897 noch 97 Prozent aller Juden jüdisch sprachen, waren es 1921 nur noch 74 Prozent. Während vor dem Weltkrieg die Mehrheit aller jüdischen Kinder in Polen Chedarim und andere jüdische Schulen besuchten, befanden sich 1925/26 nur noch 22 Prozent aller jüdischen Kinder in solchen Schulen, die übrigen 78 Prozent besuchten die allgemeinen Volks- und Mittelschulen und eignen sich dadurch das Polnische an Stelle des Jüdischen als Umgangssprache an. Auch Mischehe und Taufe, vor dem Weltkrieg in Osteuropa ausserordentlich selten, verbreiten sich. In Sowjetrussland ist in der kurzen Zeit seit dem Weltkrieg die Mischehe, besonders in Zentralrussland, bereits etwas alltägliches geworden. In Polen wächst die Zahl der Taufen. Die Geburtenziffer geht zurück und zeigt in Rumänien, in Warschau und Lodz bereits eine starke Annäherung an das westeuropäische Niveau. Da der Rückgang der Sterblichkeit dem Geburtenrückgang nicht gleichkommt, so haben wir damit zu rechnen, dass in Zukunft auch in Osteuropa die Vermehrung der Juden viel langsamer sein wird, als es in den vergangenen 30 Jahren der Fall war. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten fast alle aschkenasischen Juden noch in Osteuropa. Sie sprachen dieselbe Sprache — Jüdisch — und waren nach Kultur, religiöser Tradition und Beruf eine homogene Masse. Heute hat sich diese einheitliche Judenheit nicht nur räumlich auf viele neue Länder verteilt, sondern sie hat sich auch kulturell in eine grosse Zahl von Judenheiten zerspalten, die in Sprache, Bildung, religiöser Tradition und Umgangsformen weit voneinander entfernt sind. Sie können sich kaum noch verständigen und sehr häufig nicht verstehen. Diese sprachliche und kulturelle Entfremdung hat das frühere Solidaritätsgefühl zwischen den Juden stark gelockert. Dass es noch nicht ganz gelöst ist, beweist die grosszügige Hilfe, welche die Juden der Vereinigten Staaten durch das American Joint Distribution Committee während und nach dem Kriege den Juden Osteuropas geleistet haben. Aber es ist nicht zu verkennen, dass sich die Juden durch Assimilation an die Kultur ihrer Heimatländer kulturell immer mehr voneinander entfernen und das Gefühl ihrer Schicksalsgemeinschaft und Zusammengehörigkeit verlieren. Abwehr Das Judentum hat heute auf einer viel längeren Front und mit viel stärkeren Feinden zu kämpfen als früher. Die Mittel, die es früher zur Verteidigung benutzte, wie z. B. die Sorge für Religionsunterricht der

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