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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 41

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 41 (sequence 179)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476286--7191-3483339
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Ruppin 41 möglichte, heute in manchen Ländern, so z. ß. in Preussen und in Ungarn, den Abgang an Gestorbenen nicht mehr durch die Geborenen ersetzen. Die Juden haben keine natürliche Zunahme mehr, sondern eine natürliche Abnahme, was einem langsamen Selbstmord gleichkommt. Sogar das wegen seiner geringen Geburtenzahl berüchtigte Frankreich weist demgegenüber noch einen Ueberschuss der Geburten über die Sterbefälle auf. Nur in einem Lande, in Palästina ist die Geburtenziffer der Juden eine sehr hohe. Hier war im Jahre 1927 die Geburtenziffer 35, die Sterbeziffer 1 3 und der natürliche Zuwachs 22 pro Tausend. Als ich vor 25 Jahren diese Assimilations- und Zerfallserscheinungen in der Diaspora statistisch behandelte, waren es peripherische Erscheinungen, von denen höchstens ein Viertel aller Juden berührt wurde. Bei den übrigen drei Vierteln, die in Osteuropa wohnten, war weder von religiöser Indifferenz, noch Geburtenrückgang, Mischehe oder Taufe in nennenswertem Masse die Rede. Hier liegt der entscheidende Punkt, der die jetzige Situation der Juden gegenüber ihrer Situation vor dem Weltkrieg unterscheidet. Heute sind diese Zufallserscheinungen nicht mehr periphere Erscheinungen, sondern sie sind in den Kern der Judenheit eingedrungen. Die ganze Judenheit ist in diesem Sinne heute zur Peripherie geworden. Die Gründe für diese Entwicklung sind verschiedener Art. In Sowjetrussland führt die Regierung einen Kampf gegen alle Religionen, die sie als Opium für das Volk betrachtet. Unter den Schlägen dieser Verfolgungen und unter den Einwirkungen der gänzlich veränderten wirtschaftlichen und politischen Situation ist das russische Judentum, vor kurzem noch die Hochburg jüdischer Tradition, völlig zusammengebrochen und stellt heute nur noch ein Trümmerfeld dar. Die 3 Millionen Juden in Sowjetrussland üben nicht nur ihrerseits keinen Einfluss auf die Geschicke der ganzen Judenheit aus, sondern auch diese Judenheit selbst ist von jedem Einfluss auf die Juden in Sowjetrussland abgeschnitten. Die Folge ist, dass die jüdische Jugend in Russland unter dem Einfluss der grossartigen Jugendpropaganda der Sowjetregierung ihr jüdisches Bewusstsein verliert und sich anderen Idealen zuwendet. Am deutlichsten drückt sich das aus in dem Niedergang der jüdischen Sprache und des jüdischen Schulwesens, die früher die beiden Eckpfeiler für die Erhaltung jüdischer Eigenart bildeten. Während im Jahre 1897 im Ansiedlungsrayon 97 Prozent aller Juden sich des Jüdischen als Umgangssprache bedienten, war im Jahre 1926 dieser Prozentsatz in der Ukraine auf 76 Prozent, in Weissrussland auf 90 Prozent zurückgegangen. In Zentralrussland, das als Abwanderungsgebiet für die Juden der Ukraine und Weissrussland eine grosse Rolle spielt, gaben 1926 sogar nur noch 48 Prozent aller Juden Jüdisch als ihre Umgangssprache an. Im selben Jahre besuchten in der Ukraine nur noch 37 Prozent, in Weissrussland 34 Prozent, in Zentralrussland nur 7 Prozent aller jüdischen Schüler jüdische Schulen. Alle übrigen besuchten allgemeine Schulen mit Russisch oder Ukrainisch als Unterrichtssprache»

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