Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 158)
- Language
- German, English, Hebrew
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20 1. KONGRESS-SITZUNG: Gedenkrede für Theodor Herzl von Herzl gesagt werden, »dass er die Erinnerung an ein Leben darzuzeigen hatte, das der Brechung der Sklavenketten von Millionen Menschen gewidmet war? Ueber dieses Leben darf man nicht klagen, sondern es rühmen. Herzl tot und beerdigt? Man kann begraben, was an einem grossen Manne sterblich ist; aber kein grosser Mann kann begraben werden. Wenn ein grosser Mann nicht begraben werden kann, so kann noch weniger eine grosse Sache begraben werden. Einige unserer Gegner wähnten vielleicht zur Zeit von Herzls Tode, dass der Zionismus in Herzls Grab auch begraben sei. Herzl selbst nahm derartige Ansichten voraus und widerlegte sie. Unsere Sache, sagte er auf dem I. Kongress, ist zu gross, um nur auf einem Einzelnen zu beruhen. Er hinterliess nicht nur Schüler, sondern eine Verfassung. Herzls Verlust zwang uns, uns um so treuer unserer Organisation und ihren Institutionen anzuschliessen und zu versuchen, durch das System zu ersetzen, was wir an Genie verloren haben. Der Kongress wird immer eine dauernde Schöpfung Herzls bleiben. Unser Kongress nimmt die Stelle eines zionistischen Parlaments ein, und unser zionistisches Parlament wird ein vollkommenes nationales Heim für das jüdische Volk fertig stellen. Nein, der Zionismus wurde nicht in Herzls Grabe beigesetzt; im Gegenteil, der Antizionismus wurde dort beerdigt. Blickt auf den Unterschied zwischen München 1897 und Zürich 1929! Blickt auf unsere gegenwärtigen Kräfte, auf unsere internationale Lage, auf das gegenwärtige Palästina! Matatiahu Herzl — das ist die Grabschrift, die kein Grabstein der Welt zu übertreffen vermag. Kurz ist sie, aber lang genug, um alle Obelisken mit den leuchtendsten Gefühlen zu überdauern, die je von Dichtern geäussert wurden: diese beiden einfachen Worte enthalten mehr Ruhm, mehr Anerkennung als Seiten edler Verse. Kein Panegyrikon kann Herzls Verdienst mehr anerkennen oder den Verlust seines Lebens mehr kennzeichnen als sein Name. Er starb, wie er lebte, voll Vertrauen und Glauben an sein Ideal, und an sein Volk. Seine Hände waren fest und treu, bis die Sonne unterging. Nicht verwöhnt von Erfolg, nicht entmutigt durch Enttäuschungen und Störungen, blieben seine Hände und sein Herz fest, bis seine Sonne unterging und er starb, wie er gelebt hatte, in Ergebenheit zu seinem Volke. Um dieser Ergebenheit willen sind sein Name und Gedächtnis in die Herzen aller Juden und vieler Nichtjuden unvergänglich eingegraben. Nicht nur unser Volk, sondern