Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 146)
- Language
- German, English, Hebrew
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8 1. KONGRESS-SITZUNG: Eröffnung wenn wir auch gar manches an ihrer Politik auszusetzen haben. Wir haben auch in der öffentlichen Meinung der Welt viele neue Freunde gewonnen. Es gibt eine grosse Zahl interessierter Persönlichkeiten, die durch eigenen Augenschein in Palästina unsere Sache bejahen lernen. Diese freundliche Atmosphäre wirkt auch über in die politische Welt und auch die Kreise des Völkerbundes sind von ihr berührt. An einer anderen Stelle wird sich noch Gelegenheit bieten, ausführlicher auf die politische Lage einzugehen. In der letzten Kongressperiode sind verschiedene bedauerliche Zwischenfälle geschehen, die Missverständnisse zur Folge hatten über unsere Auffassung der Frage der Heiligen Stätten. Wenn der jüdische Gottesdienst vor der uns heiligen Klagemauer gestört wurde, so ist die heftige Entrüstung der jüdischen Welt eine natürliche Reaktion. Wir haben klargemacht, dass wir eine Verletzung unseres Rechtes auf Andachtsübung nicht hinnehmen können. Zugleich aber wiederholen wir, was wir häufig erklärt haben, dass uns nichts weniger in den Sinn kommt als eine Antastung der religiösen Rechte oder heiligen Stätten anderer Konfessionen. Wir werden es stets als Ehrensache betrachten, diese fremden Rechte heilig zu halten. Wir bedauern auch, dass diese Affäre Anlass gegeben hat zu einer akuten Misstimmung zwischen uns und den mohammedanischen Mitbürgern in Palästina. Wir sind überzeugt, dass die Quellen dieser Konflikte sich beseitigen lassen, und wollen unserseits alles tun, um in dieser und anderen Fragen eine Verständigung mit den Arabern Palästinas herbeizuführen. Geehrter Kongress! Unsere Organisation steht bereits in ihrem vierten Jahrzehnt. Wir haben in dieser Organisation uns ein Instrument unseres Willens geschaffen, das erste politische Werkzeug des jüdischen Volkes seit zweitausend Jahren. Aber wir vergessen niemals, dass die jeweilige Form dieser Organisation eben nur ein Instrument ist und nicht Selbstzweck. Einer Bewegung wie der unseren droht nur eine Gefahr: die Gefahr der Veralterung der Formen, die Gefahr, statt Herr über die selbst geschaffene Struktur zu sein, ihr willenloser Diener zu werden. Die Erweiterung der Jewish Agency schafft neue Organe innerhalb unseres zionistischen Gesichtskreises. Wir wünschen und hoffen, dass der Geist des Zionismus, die Leidenschaft des Dranges nach jüdischer Wiedergeburt, zu immer intensiverem Erfassen der mit Palästina verbundenen Juden führen wird und dass, unabhängig von den Fesseln der äusseren organisatorischen Struktur, sich eine elementare Kraft entwickeln wird, die dem Aufbau Zions dient. Darauf sollen wir bewusst und verantwortungsvoll hinarbeiten.