Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 145)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weizmann 7 Geehrter Kongress! Als wir vor zwei Jahren zusammensassen, waren unsere Herzen zutiefst beunruhigt von der Lage in Palästina. Die allzu grosse Einwanderung der vorausgegangenen Jahre, für die das Land nicht vorbereitet war und die auch nicht auf eine ausreichende Kapitaleinfuhr sich stützen konnte, hatte eine Krise erzeugt, die in noch höherem Masse moralischer Natur war als wirtschaftlicher. Wir standen damals im Zeichen der Arbeitslosigkeit und der Rückwanderung, wir mussten Unterstützungen bezahlen auf Kosten des produktiven Aufbaus. Diese Krise konnte unseren Glauben ebenso wenig erschüttern wie frühere derartige Rückschäge und wie auch alle künftigen Krisen, die Begleiterscheinungen lebendigen Schaffens und Wagens, es können werden. Aber wir empfanden mit Schmerz, dass wir der Krise schneller und sicherer Herr geworden wären, wenn wir mehr Mittel und Kräfte zur Verfügung gehabt hätten. In den letzten zwei Jahren hat sich die Lage aufgehellt, und wir haben mit Freude vernommen, dass der High Commissioner für Palästina vor der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes kürzlich erklären konnte, dass die Zeit des Ueberschusses der Auswanderung beendet ist und eine Zeit der Einwanderung beginnt. Wir haben wieder Einwanderungszertifikate verteilen können an unsere Chaluzim, die in Treue und Disziplin während der schweren Jahre der Einwanderungssperre ausgeharrt haben. Die Lage in Palästina hat sich grundlegend gebessert. Wir haben in der letzten Zeit besonders eine Entfaltung des privaten Unternehmungsgeistes zu verzeichnen. Aber auch unsere nationale Kolonisation hat Fortschritte gemacht und steht zum Teil bereits auf eigenen Füssen. Der Kongress wird über alle diese Zweige der Aufbauarbeit Berichte hören und sich mit den damit zusammenhängenden Problemen zu beschäftigen haben. Die Erweiterung unserer Kräfte und unserer Möglichkeiten durch den Eintritt neuer Kreise in die Agency müssen wir benutzen, um ein Arbeitsprogramm für mehrere Jahre aufzustellen, nach dem wir die Basis unserer Kolonisation in Stadt und Land systematisch und in schnellerem Tempo verbreitern können. Wir sind erfüllt von neuen Impulsen und Hoffnungen; aber ebenso wenig, wie wir vor zwei Jahren uns dem Pessimismus ergeben haben, werden wir uns jetzt von übertriebenem Optimismus leiten lassen. Wir vertrauen unserem Enthusiasmus, aber wir sehen alle Realitäten, und unsere Politik zielt dahin, im Ringen mit diesen Realitäten die Oberhand zu behalten. Geehrter Kongress! In unserer Aufbauarbeit stehen wir unter dem Schutz der Mandatarmacht, mit der uns wie bisher Bande des Vertrauens und des Verständnisses verknüpfen, 9