Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 142)
- Language
- German, English, Hebrew
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4 1. KONGRESS-SITZUNG: Eröffnung Geehrter Kongress! Jeder unserer Kongresse ist dazu da, Rechenschaft abzulegen über das Getane und Versäumte und Beschlüsse zu fassen für die künftige Arbeit. Dieser Kongress hat ausserdem eine besondere Aufgabe, die ihn vielleicht herausheben wird aus der Reihe der Kongresse in der Geschichte unserer Bewegung. Er hat für die Verwirklichung des Zieles des Zionismus, für die im Basler Programm postulierte Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, ein neues organisatorisches Gebilde zu konstruieren, das, wie wir hoffen, dem Werke des Aufbaus erhebliche neue Kräfte zuführen wird. Es ist dies nur eine Konsequenz aus den inneren Entwicklungen, die sich in den letzten dreissig Jahren und besonders den letzten zehn Jahren vollzogen haben. Als wir die Zionistische Organisation gründeten, war die jüdische Heimstätte nur eine Idee, keine praktische Wirklichkeit. Die Zionistische Organisation umfasste alle die, die diese Idee bejahten; sie forderte von den Juden eine geistige Entscheidung. Der Zionismus war eine Sache des Glaubens. Der Kampf um die von uns verkündete Idee ergriff das jüdische Volk in seinen tiefsten Tiefen. Der Zionismus hat sich in diesem Kampfe behauptet, durch alle Wechselfälle des äusseren Geschehens hindurch hielt er an seinem Ziele fest und beeinflusste auch das Denken und Fühlen eines grossen Teiles der Judenheit, die ihn ablehnte. Die Balfour-Deklaration, die uns mit einem Schlage vor die politische Möglichkeit stellte, unser Nationalheim aufzubauen, führte eine neue Epoche herauf, für die unsere alten Denkformen und organisatorischen Mittel nicht mehr ausreichen. Die Dinge sind schneller gereift als wir nach Herzls Tode gedacht hatten. Der Zionismus ist mit einemmal nicht mehr nur eine Sache der geistigen Entscheidung, sondern in einem starken Ausmasse auch der technischen Bewältigung und der praktischen Leistung. Diese verwandelte Situation hat Schwierigkeiten geschaffen, ja sogar Erschütterungen hervorgerufen, die uns in den letzten zehn Jahren oft genug auf eine harte Probe gestellt haben. Wir vertrauten unserem Wollen, aber wir hatten eine unzureichende Kenntnis unseres Könnens. Wir konnten nicht sofort den Ausgleich finden zwischen ideologischer Forderung und praktischem Leben. Geehrter Kongress! Heute können wir ohne Ueberhebung von uns sagen, dass wir in der Bewältigung der Aufgabe grosse Fortschritte gemacht haben. Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir haben uns aus der Unsicherheit der ersten Nachkriegsjahre herausgearbeitet und wir sehen heute den Weg vor uns, auf dem wir weiter zu gehen iiaben, um die historische Pflicht zu erfüllen, die unserer Generation in der jüdischen Geschichte