Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 484 (sequence 526)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6969-3483116- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
19. Sitzung: Schlußreden (Deutsch fortfahrend:) Es ist mir eine angenehme Pflicht, der Schweizerischen Eidgenossenschaft und speziell dem Basler Volk den Dank des Zionistenkongresses auszusprechen für die großzügige Gastfreundschaft, die uns Basel bereitet hat. (Stürmischer Beifall.) Ich sage großzügig, und wirklich: wir wollten ruhig arbeiten, und man gab uns die Möglichkeit, ruhig zu arbeiten; wir sind nicht von außen beunruhigt worden, wie wir es beim letzten Kongreß erleben mußten. Dies ist ein Land, das nicht demonstriert. In dieser ganzen Zeit des politischen Zionismus, seit dreißig Jahren, gab es nur eine Demonstration, und die fand beim zweiten Kongreß statt, als wir auf den Balkon dieses Hauses hinaustraten und uns das Schweizer Volk zurief: Hoch die Juden! Ein Echo dieser beglückenden Demonstration haben wir in der wunderbaren Ansprache gehört, die der Vertreter der Stadt Basel am Eröffnungsabend des XV. Kongresses gehalten hat. Großzügig nenne ich dieses ruhige und sympathische Volk und bin überzeugt, daß tief in der Seele der Schweizer und speziell der Basler wahres Verständnis und Sympathie für unsere Sache vorhanden ist. (Lebhafter Beifall.) (Hebräisch fortfahrend:) Man fragt mich, ob ich mit dem Kongreß zufrieden bin. Ich sage offen: nein. Wir Zionisten sollen immer unzufrieden sein, und doch muß ich sagen, daß dieser Kongreß der beste Kongreß ist, den wir seit dem Krieg gehabt haben. Ich mache aus der Not keine Tugend. Der Kongreß ist die Abspiegelung unserer wahren Wirklichkeit. Es ist nicht unsere Schuld, daß er unter solchen schweren Umständen durchgeführt werden mußte. Während der Verhandlungen des Kongresses habe ich oft geschwiegen; es war nicht leicht. In meiner Eröffnungsrede habe ich gesagt, daß wir uns nicht von der Stelle rühren werden, bevor wir die Fragen der Arbeit in Palästina und der Ueberwindung der Krise gelöst haben. Es war keine bloße hohle Phrase. Ich dachte, daß dieser Satz allen Delegierten vor Augen schweben und daß die Debatten von ihm geleitet werden sollen. Wir 484