Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 330)
- Language
- German, English, Hebrew
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9. Sitzung: Referat über Keren Hajessod die Judenheit eines Landes in ihrem schweren Kampf um ihre Rechte zu führen? Wieder andere glauben ihre Pflicht zu erfüllen, wenn sie eine Summe zahlen, die in keinerlei Verhältnis zu ihren sonstigen Ausgaben steht. Sie entschuldigen sich oft damit, daß das jüdische Leben der Stadt oder des Landes ihnen so große Opfer auferlegt, daß sie nicht mehr für Palästina zahlen können. Verstehen denn diese Gesinnungsgenossen nicht, daß sie damit die Grundlagen des Zionismus leugnen? Besteht denn nicht gerade die Schwierigkeit des Aufhaus Palästinas darin, daß er eine Aufgabe ist, die in die Zukunft weist, daß seine Ergebnisse sich erst in Generationen zeigen können, daß überall der Verwirklichung der Palästina-Idee nicht so sehr die antipalästinensische Gesinnung der Assimilanten, nicht so sehr die Ablehnung des modernen palästinensischen Lebens durch Teile der Orthodoxie usw. im Wege stehen, wie die ungeheure Menge der kleinen Sorgen des täglichen Lebens, die die Erfüllung der Pflichten gegenüber Palästina immer wieder zurückschiebt? Der Kampf gegen die kleinen Alltäglichkeiten ist der schwerste Kampf einer jeden Idee. Er ist auch der schwerste Kampf des Zionismus. Die Entscheidung eines Volkes ist in weitem Maße abhängig von dem Vorbild, das ihm die führenden Schichten geben. Unsere Generation ist seit langem die erste, in der der Begriff der politischen Führung der Judenheit wieder lebendig wurde. Wir müssen uns aber auch der Pflichten bewußt sein, die Führer gegen die Geführten haben, und eine der ersten Pflichten ist Wahrhaftigkeit in der öffentlichen Betätigung. Das Volk kann dem zionistischen Führer nicht folgen, wenn der Führer nicht selbst das Beispiel gibt und die Pflichten erfüllt, deren Befolgung er vom Volke verlangt. Diese Tribüne ist von Herzl geschlaffen worden, um der zionistischen Bewegung von Jahr zu Jahr die Möglichkeit zu geben, mit Kritik in die Ecken unseres öffentlichen 288