Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 316)
- Language
- German, English, Hebrew
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9. Sitzung: Keren Kajemeth-Debatte tretung von Parteien aufbaut. Der Jüdische Nationalfonds hat sich seit den fast dreißig Jahren seines Bestandes in seinem Wesen gewandelt. Als. ihn Herzl schuf, da war es ein Fonds der Eomantik, durch den jeder Jude ideell mit Palästina verbunden sein sollte. Heute ist der Jüdische Nationalfonds kein Fonds der Eomantik, sondern ein Gründungsfonds, auf dem der lebendige Teil unserer ganzen Arbeit sich aufbaut. Er darf daher nicht mehr von den Prinzipien der Eomantik regiert werden. Warum sollte auch der Nationalfonds aus Parteien bestehen? Bei uns in Amerika ist der Jüdische Nationalfonds die kleinste Anstalt, weil man keinen Schritt unternehmen kann, wenn nicht alle Parteien einig sind. So wird der Nationalfonds zu einer Parteisache. Das Entscheidende aber müßte sein, daß der Nationalfonds ein Aufbaufonds ist. Warum war es nötig, es als Dogma zu proklamieren, daß die Keren Kajemeth Lejisrael-Arbeiten in Palästina unbedingt durch Mitglieder der organisierten Arbeiterschaft durchgeführt werden müssen? Namens aller meiner Freunde kann ich versichern, daß es in Amerika keinen Zionisten gibt, der nicht von ganzem Herzen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas eine starke Organisation wünscht. Da aber die Propaganda für den Nationalfonds keine Partei-, sondern eine Volkssache ist, halte ich es für unzulässig, daß es als nationale Forderung hingestellt wird, daß alle Arbeiten in Palästina ausschließlich durch die Angehörigen der Trade Unions durchgeführt werden. Ich halte das für einen Fehler des Nationalfonds, für einen Schritt, der vielen Zionisten unverständlich ist. Ich möchte hoffen, daß solche Aktionen in Zukunft unterbleiben mögen, weil sie geeignet sind, die Volkstümlichkeit des Keren Kajemeth Lejisrael zu beeinträchtigen. Wenn wir nochmals unseren Dank und unsere tiefe Anerkennung für die Leistungen des Nationalfonds ausdrücken, möchten wir dennoch wünschen, daß unsere folgende herzliche Bitte berücksichtigt werden möge: der Nationalfods muß heraus aus seinen kleinen Verhältnissen, er darf nicht mehr der kleine Fonds bleiben, der von Bagatellen lebt. Wir haben daher aufs wärmste die Eeise TJssischkins nach Kanada begrüßt, weil er sich direkt ans Volk, an die große Quelle gewendet hat. Der richtige Mann kam zur richtigen Zeit und mit der richtigen Idee und siegte. Das war nicht nur ein momentaner Sieg, sondern ein solcher für die Zukunft. Der Nationalfonds muß groß und unparteiisch sein und jede Tendenz des Separierungsgeistes von sieh weisen. Nationalfonds in Verbindung mit Zionismus ist eine große Sache, ohne Zionismus ist er klein. Wir haben es in Amerika durchgesetzt, daß sich der Nationalfonds dem United Palestine Appeal ange- 274