Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 315)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6758-3482905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wassermann, Bernstein Neunte Sitzung. Dienstag, den 6. September 1927. Beginn der Sitzung: 8 Uhr 30 Min. abends. Vorsitzender: Vizepräsident Leo Motzkin. liel. Dr. S. Bernstein (Amerika — jüdisch): Wir [haben mit großer Freude den Bericht des Herrn Ussischkin vernommen, aus dem zu unserer Genugtuung hervorgeht, daß die Arbeiten des Jüdischen Nationalfonds in einem Geiste geführt werden, der uns hoffen läßt, daß diese Arbeit einer guten Zukunft entgegengeht. Wir alle sind dem Herrn Ussischkin Dank schuldig, und ich persönlich möchte ihm ein Wort des Dankes und der Anerkennung für die Arbeit sagen, die er vor kurzem in Kanada im Interesse des Jüdischen Nationalfonds geleistet hat. Diese Arbeit hat bewiesen, daß der Nationalfonds Möglichkeiten hat, die über die üblichen Büchsensammlungen weit hinausgehen. Mit der Anleihe, die Ussischkin in Kanada verwirklicht hat, ist der Anfang zu einer großen Entwicklung des Nationalfonds gemacht, und darum verdient Ussischkin den Dank des ganzen jüdischen Volkes. Wenn ich ein paar Worte der Kritik vorbringen will, so geschieht es sicherlich aus dem guten Willen heraus, der Sache zu dienen. Ich glaube, daß Autonomie für jede finanzielle Anstalt von großem Werte ist, da sie ihr die Freiheit der Entwicklung sichert. Diese Autonomie darf aber nicht in Separatismus ausarten. Ich muß aber zu meinem tiefen Bedauern feststellen, daß sich in der letzten Zeit innerhalb des Jüdischen Nationalfonds Tendenzen geltend machen, diesen Fonds zu einem Separatfonds zu gestalten. Dies ist eine Gefahr auch in finanzieller Hinsicht. Denn ein Fonds, der völlig selbständig wird, erfordert einen eigenen Propagandaapparat, der mit großen Kosten verbunden ist und der nicht nur seine eigenen Interessen nicht fördert, sondern auch den Zusammenhang aller anderen zionistischen Arbeiten stört. Ich glaube daher, daß der Nationalfonds wohl autonom sein soll, aber den engen Zusammenhang mit den übrigen Teilen der zionistischen Arbeit nicht aufgeben darf. Der Nationalfonds begeht einen weiteren schweren Fehler, indem er seine Landesstellen auf dem Prinzip der Ver- 18 273