Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 298)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 100% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6741-3482888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5. Sitzung: Referat über Palästinawirtschaft darüber orientiert sein konnte, ob die Einwanderer wirklich das von ihnen angegebene Kapital oder die von ihnen behaupteten Fachkenntnisse besaßen. Die Exekutive stand damals unter einem ungeheuren Druck von Polen, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse für die Juden unerträglich waren und von wo man verlangte, daß das erforderliche Kapital für die unabhängigen Einwanderer von 500 Pfund auf 250 Pfund herabgesetzt werde. Warum haben diejenigen, die die Exekutive heute beschuldigen, daß sie diesem Druck nachgegeben hat, nicht im Jahre 1924/25 gegen die Einwanderung protestiert? An Warnungen, daß eine überstürzte Einwanderung nach Palästina ein Unheil ist, hat es nicht gefehlt. Ich selbst habe auf dem 13. Kongreß im Jahre 1923 mit größter Schärfe dies betont und gesagt: „Wenn wir eine Einwanderung fortsetzen und fast alle unsere verfügbaren Mittel zur Schaffung von vorübergehender Beschäftigung für diese Einwanderer aufwenden, so bekommt unsere wirtschaftliche Arbeit einen ungesunden Charakter, und die Einwanderung muß, wenn sie sich vielleicht noch für kurze Zeit aufrechterhalten läßt, doch schließlich zu einem katastrophalen Ende kommen, weil eben in kurzer Zeit unsere Mittel nicht einmal mehr hinreichen werden, um diese Einwanderer auch nur mit einer vorübergehenden Beschäftigung zu versehen." Ich habe die traurige Genugtuung, daß das, was ich damals und später in noch schärferer Weise, kurz vor meinem Austritt aus der Exekutive im Frühjahr 1925, dort zu Protokoll erklärte, bis ins Kleinste eingetroffen ist. Vielleicht mußte es einmal zu der jetzigen Katastrophe kommen, um, nach der langen Periode der Illusion über die Aufnahmefähigkeit Palästinas, durch die harte Wirklichkeit uns das zu zeigen, was Palästina leisten kann und was nicht. Es ist unrichtig, die Schuld für den Mißerfolg der letzten Einwanderung darauf zu schieben, daß die Exekutive die mittelländischen Elemente nicht genügend unterstützt hat. Wenn die Exekutive alle ihre Energie nur auf Kräftigung der mittelständischen Einwanderung gelegt 256