Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 251)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476284--6694-3482841- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Weizmann ganz gleichgültig, zu welcher Partei oder zu welcher Klasse sie gehören, die ian unserer Arbeit zweifeln und die, wenn heute die Palästinafrage Schwierigkeiten mit sich brächte, sich wahrscheinlich gegen die Politik wenden würden. Ich sage nicht, daß dies einen entscheidenden Einfluß haben würde. Vor drei Jahren haben wir gesehen, daß sich 160 Parlamentsmitglieder mit einer Petition an den Premierminister gewandt haben, in der sie ihn baten, sich von der Palästinapolitik zurückzuziehen. Man kann darüber denken, wie man will, aber 160 Mitglieder eines Parlamentes, (auch wenn sie nichts von Palästina verstehen, die eine derartige Petition einbringen, das ist ein Druck der öffentlichen Meinung. Wir haben es noch nicht erreicht, daß 160 Mitglieder des englischen Parlamentes sich zugunsten der Palästinapolitik mit einer Interpellation an den Premierminister gewandt hätten. Vor vier Jahren gab es sogar einen uns ungünstigen Beschluß des Oberhauses. Wir hatten damals glücklicherweise einen Anwalt unserer Sache, wie ich und wohl auch Herr Jabotinsky sich ihn nicht besser wünschen könnten, das war Lord Balfour. Und die Resolution des House of Lords hatte keine Wirkung. Aber, meine Herren, Sie können doch nicht mit zwei Stöcken schlagen: wenn Sie sich auf die öffentliche Meinung berufen, dann müssen Sie daran denken, daß auch die englische Regierung ein empfindliches Ohr hat und weiß, wie weit sie gehen kann, wie weit sie die öffentliche Meinung hinter sich hat. Man kann zugeben, daß in den vier Jahren die Sache sich geändert hat. Ich teile nicht die Meinung des Herrn Guedalla, daß England jemals sein Wort brechen wird. (Lebhafter Beifall.) Eine solche Vermutung werde ich nie über die Lippen bringen. Im Gegenteil: je größer eine Nation ist, desto weniger kann sie sich erlauben, mit Dingen zu spielen, diean deren heilig sind. Das ist mir vollständig klar. Aber — und ich bin weit davon entfernt, drohen zu wollen, — wenn heute jemand von Ihnen mit dem ganzen Talent, das Sie besitzen, vor dem englischen Parlament eine Anklage gegen die palä- 14 209