Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1927-01-01 · 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927 · p. Seite 144

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
Date
1927-01-01
Page
Seite 144 (sequence 186)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476284--6629-3482776
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6. Sitzung: Generaldebatte Völker, für die Gestaltung seines Lebens das Instrument der Macht, der Selbstbestimmung gebraucht. Die Größe dieser Proklamation empfinden wir immer wieder und besonders auf dem Kongreß. Aber dieser Becher der Politik, den wir dem jüdischen Volke gereicht haben und der, wenn er richtig gebraucht wird, in der Tat imstande ist, dem Volke sein normales Leben wiederzugeben, enthält auch Gifttropfen. Die Politik des Zionismus ist in der ständigen Gefahr, sich an dieser Proklamation der Macht zu berauschen, und das war besonders gefährlich, als wir mit der Verwirklichung des Zionismus begannen. In dieser Zeit hat Weizmann es verstanden, die Berücksichtigung der Wirklichkeit als wesentliches Moment der Politik einzuführen. Es gibt für den Zionismus nur ein Instrument der Macht und das ist die Macht unserer Idee. Und es gibt keinen besseren Verkünder dieser Idee als Weizmann. Aber er weiß auch, daß dieses Instrument ein zart zu behandelndes ist, und er hütet sich davor, es abzunützen im Kampfe um einzelne politische Tagesfragen. Es ist meine Ueberzeugung, daß die Methode Weizmanns die einzige ist, durch die wir es erreichen konnten, daß wir jetzt politisch ernst genommen werden. Im Sinne dieser Methode müssen wir freilich auf den Zauber der Proklamation in weitem Umfans: verzichten. Wir haben vor allem zu erkennen, was um uns ist. Es ist richtig, wenn wir uns hier mit Steuer-, Zoll-, Bodenvermessungsfragen beschäftigen. Das sind die Fragen, die uns angehen, und deswegen muß unsere Politik eine langweilige Politik sein. Grünbaum hat von einer großzügigen politischen Initiative gesprochen. Ich betrachte derartige Forderungen solange als leere Worte, solange ich nicht weiß, was dahintersteckt. Wenn wir erkennen wollen, was um uns ist, dann müssen wir auch die Bedingungen unserer Gegner und Mitspieler sehen. Es genügt nicht, daß wir feststellen, daß unser Partner nicht tut, was wir brauchen; wir müssen uns auch fragen: Warum tut er es nicht? Vielleicht unterliegt auch er gewissen Gesetzen seines Lebens, die ihm nicht gestatten, so zu handeln, wie wir es gern haben möchten. Und nur wenn wir so denken, können wir zu einem wirkungsvollen System der Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht kommen. Für die Herren Grünbaum und Jabotinsky ist die Sache einfacher. Sie sagen: Das Mandat ist ein Vertrag, England hält nicht alle seine Klauseln, also haben wir einen Prozeß mit England. Und sie machen unseren politischen Leitern den Vorwurf, daß sie als unsere Vertreter sich bemühen, England uns gegenüber in Schutz zu nehmen. Diese Auffassung ist 144

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.