Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 174)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte len. Grünbaum hat ferner tadelnd gesagt, Weizmann stehe zwischen zwei Feuern, zwischen rechts und links. Bisher sei es ihm gelungen, die beiden Flügel zu verbinden. Weizmann solle aber zwischen Rechts und Links wählen. Gerade dieser Tadel ist aber ein Beweis, daß unser Führer imstande ist zu führen, wenn er Links und Eechts verbinden kann. Es ist eine falsche Auffassung, zu glauben, daß man im Zionismus so regieren könne wie in einem Staate. In einem Staat, auf eigenem Boden kann man auch bloß mit einer Partei regieren. Wir sind aber noch kein Staat. Nach Herzls Wort ist die Zionistische Organisation der Judenstaat unterwegs. Wir sind wie eine kämpfende Armee, welche auszieht, ein Land zu erobern, wenn auch mit friedlichen Waffen. Bei einer kämpfenden Armee darf es aber keine Parteien geben, sondern nur Brigaden und Divisionen. Wir leiden besonders unter der Parteisucht im Zionismus. Wir haben mehr Parteien, als wir vertragen können. Die Parteisucht entspringt dem Kultus der Individualität. Es geht nicht an, die Parteien noch zu vermehren. Ich meine die Radikalen und Revisionisten. Ich verstehe wohl ein Rechts und ein Links. Die Rechte will den Gottesstaat, die Linke den sozialen Staat. Das sind eben verschiedene Weltanschauungen. Aber was soll es mit dem Revidieren sein? Unter Revision verstehe ich die Revision eines Programms, nicht aber die Revision der Mittel und der Taktik. War es nötig, beide Hemisphären der Welt in Bewegung zu setzen? Jabotinsky zog durch die ganze Welt und schuf Organisationen, und überall erlebten wir dann einen Bruderkampf, der nicht brüderlich geführt wurde. Ich verstehe wohl, daß die Revisionisten Forderungen zu stellen haben. Wir haben alle mit großer Aufmerksamkeit Jabotinsky gelauscht. Aber zur Durchsetzung seiner Forderungen war die Neugründung einer Partei nicht nötig. Ich begreife es wohl, daß Jabotinsky mit der ihm eigenen Beredsamkeit Sie hinzureißen versteht. Aber sollte nicht alles billiger zu erreichen sein als durch die Gründung neuer Parteien, welche nur zur Selbstzerfleischung führen? Jabotinsky hat gesagt, daß im Grenzkorps kaum 37 Juden sich befänden. So viel ich informiert bin, haben sich für dieses Korps mehr Juden nicht gemeldet. (Lebhafte Zwischenrufe des Del. Weisl.) Es steht absolut nicht fest, daß die Regierung jüdische Bewerber zurückgewiesen hätte. Nun gehe ich zu den Hauptforderungen der Revisionisten und Radikalen über. Da ist erstens die politische Offensive, zweitens ihre Stellung zur Jewish Agency. Man verlangt, daß wir die politische Offensive ergreifen und gegen 132