Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 92)
- Language
- German, English, Hebrew
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1. Sitzung: Gedenkfeier für Achad Haam gegen die falsche Konkretisierung. Die Erkenntnis unserer besonderen geschichtlichen Bestimmung hilft uns, der Einreihung in die unzähligen Gruppenegoismen zu widerstehen, deren Summe in der heutigen Weltpolitik Nationalismus genannt wird. Damit soll selbstverständlich nichts gegen die Instinkte der nationalen Selbsterhaltung gesagt sein. Wer, Person oder Gruppe, solange er mit seiner Erhaltung mehr wirken kann als mit seiner Vernichtung, nicht auf die Erhaltung bedacht ist, der taugt nicht zum Leben in Gottes Angesicht. Aber eben auf dieses Wirken, auf dieses Werk, auf das, um dessenwillen man leben will, darauf kommt es an. Vor allem in unseren eigenen Augen. Aber auch — und dies will ich nicht unerwähnt lassen — auch in den Augen jenes Teiles der heutigen Menschheit, in dem sich eine kommende Menschheit vorbereitet. Zwar ist heute überall der rechtmäßige Nationalismus noch vielfältig mit dem unrechtmäßigen verkoppelt und ihm verhaftet. Aber langsam, mit der Langsamkeit der großen Geschichtsprozesse, hebt sich eine andere, eine echte Schichtung hervor. Die illegitimen Nationalismen stehen gegeneinander, die legitimen stehen in Wahrheit miteinander. Langsam, aber unaufhaltsam taucht aus dem Chaos der Gegenwart eine neue, eine nicht anationale und doch übernationale Autorität, ein wahrer Bund der Völker hervor. Ihm gegenüber wird auch für uns unsere alte Visitenkarte, unser Programm nicht mehr eine ausreichende Beglaubigung sein. Wir werden eines echten Ausweises bedürfen: durch das, was wir an Verwirklichung unserer Aufgabe, unserer Aufgabe an der Menschheit, geleistet haben. Wir werden auszusagen haben: welche Menschenart für den Aufbau unseres Landes die bestimmende gewesen ist; welche Art des Zusammenlebens von Menschen wir dort, in unserem Lande aufgerichtet haben; wie wir unser Verhältnis zu anderen Menschengruppen zu gestalten vermochten. Mit einem Wort: wir werden auszusagen haben, wie wir es mit dem Urgebot unserer Geschichte, mit jener „Gerech- 50