Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 84)
- Language
- German, English, Hebrew
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/. Sitzung: Gedenkfeier für Achad Haam gestorben, Achad Haam aber starb nicht, sein Andenken wird ewig leben. (Lebhafter Beifall.) Del. Dr. Martin Buber (Hitachduth — deutsch): Verehrter Kongreß! Dieses Mannes an dieser Stelle gedenken, kann nicht bedeuten, sein Wesen und sein Werk darstellen wollen. Es kann nur bedeuten, unsere Wirklichkeit an seiner Forderung und seine Forderung an unserer Wahrheit zu prüfen. Selten ist uns jetzt noch, in dieser Zeit harter heischender Tatsächlichkeit, gewährt, wie es einst auf den frühen Kongressen Gepflogenheit war, eine Stunde daran zu wenden, den Geist zu befragen. Eine solche Stunde soll uns diese sein. Wir handeln im Sinne des Mannes, dessen wir gedenken, wenn wir nicht über ihn, sondern, von ihm aus und auf ihn zu, über die großen Zusammenhänge unserer Bewegung reden und danach forschen, wie weit sie ihnen heute gerecht wird. Eine nationale Bewegung ist, politisch definiert, das Streben eines Volkes nach Selbstbestimmung. Aber diese Formel ist kurzatmig. Wenn es nach ihr ginge, hätte eine nationale Bewegung nach Erlangung der Selbstbestimmungsrechte keinen Sinn und Bestand mehr. Das ist so, als wollte man die große Bewegung um die Erneuerung der menschlichen Gesellschaft mit der Proklamierung der droits de Fhomme enden lassen, während sie doch mit ihr erst recht eigentlich anfängt. Aber eine nationale Bewegung ist, geistig definiert, das Streben eines Volkes, seine Wirklichkeit nach seiner Wahrheit zu gestalten. Wahrheit, das bedeutet: was mit diesem Volk gemeint ist, — die besondere Ausprägung, die sich die eine gemeinsame Wahrheit des Menschengeschlechtes in diesem Volke gegeben hat. Es gibt nicht viele Wahrheiten, sondern nur die eine, aber es gibt sie in vielen Formungen. Dostojewski spricht einmal davon, jedes Volk habe seinen Gott und diese Götter kämpften gegeneinander. Wir aber wissen seit Arnos, daß Gott nicht bloß die Söhne Israels aus Aegypten, sondern auch die Philister aus Kaftor geführt hat. Unser Gott ist der eine Völkerbefreier, und unsere Wahrheit ist nicht unser Sonderbesitz, sondern 42