Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 77)
- Language
- German, English, Hebrew
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Steinmarder, Zivy erfüllt uns mit Genugtuung und Stolz, daß die Exekutive unsere Einladung angenommen hat, den Jubiläumskongreß am gleichen Orte, an den sieh iSO viele heilige Erinnerungen knüpfen, zu "veranstalten, in der Stadt Basel, die unserm Programm den Namen gegeben hat. Meine Damen und Herren! Noch sind zahlreich diejenigen hier in diesem Saale, die dem ersten Kongreß beigewohnt haben. Nie werden wir vergessen, was wir damals erlebten. Unauslöschlich in unserer Seele ist die Erinnerung an die Schicksalsstunde, als jener wunderbare Mann, unser verewigter Führer Dr. Herzl, zum ersten Male zu seinem Volke, wie ein Vater zu seinen Bändern, sprach, und neben ihm jener unvergleichliche Meister des Wortes, Dr. Max N or d au, wie ein Bruder zu seinen Brüdern. Damals ereignete sich das große Wunder: Das Volk Israel hatte nach achtzehnhundertjährigen stumm ertragenen Leiden plötzlich seine Sprache wieder gefunden. Ein Ahnen großen Geschehens ging durch den Saal. Wir standen an der Schwelle einer neuen Zeit. Es war der Beginn eines neuen Kapitels der jüdischen Geschichte. Wir durften das Wort aussprechen, das Goethe am Vorabend der Schlacht bei Valmy geprägt hat: „Von hier aus und von heute beginnt eine neue Zeit, und wir können saugen, daß wir dabei gewesen sind." Meine Damen und Herren! Nicht nur seiner Bedeutung nach, sondern auch in seiner zeitlichen Entfernung ist der erste Basler Kongreß historisch geworden. Dreißig Jahre trennen uns von ihm. Im Volksmunde heißt es: „Dreißig Jahre ein Mann"; ein Mann nämlich, der nach all dem Lernen, Suchen und Eingen der Jugendzeit seine Erfahrungen gesammelt, sein Ziel erkannt und gesetzt und in ruhiger Ueberlegung sich eine Position geschaffen hat. An diesem Wendepunkt ist der Zionismus angelangt. Er hat seine Sturm- und Drangperiode hinter sich. Die rauschende Begeisterung, das unbeschreibliche Hochgefühl der ersten Kongresse haben ernsten, nüchternen, mit Tatsachen kühl rechnenden Gedanken Platz gemacht. Hinter uns liegt das leidenschaftsvolle Suchen, das übermenschliehe Ringen um die freie Bahn, die nach dem Ziele unserer Sehnsucht führt. Der Weg ist gefunden. Die Idee reift zur Tat heran. Unsere Bewegung hat die Anerkennung der ganzen Welt gefunden; ja man kann sagen, wenn es auch ironisch klingt, nicht nur der ganzen Welt, sogar f ast der ganzen Judenheit. Der Zionismus hat sich seine Position geschaffen. Jetzt gilt es, diese Position zu konsolidieren und weiter auszubauen. Die Mittel und Wege für diese Aufgabe zu suchen und zu finden, ist Sache des XV. Kongresses. 3* 35