Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 54)
- Language
- German, English, Hebrew
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1. Sitzung: Eröffnung Moralpredigen, sondern durch einen inneren Neuaufbau des Menschen und Juden wurde dieses Resultat erzielt. Es galt der Reinhaltung unseres Besten: unserer Seele, unserer vollkommenen Uebereinstimmung mit uns selbst. Unser Volk würde am Egoistischen, Kleinen und Elenden verkümmern, wenn nicht der Zionismus dawäre. Nur das zionistische Ideal vermochte es, einen Adel der Gesinnung auszulösen, dessen unausbleibliche Folge der Adel der Handlungen ist. Das tiefe Sehnen nach einem freien, lebendigen Judentum, das heiße Verlangen, aus der Dürre des im Galuth erstarrten Volkstums heraus zu den frischen Quellen des Stammlandes zu gelangen und eine reale, eigenartige Einheit zu bilden, sich selbst bewirkend und gestaltend, diese innere Befreiung hatte neue Menschen und neue Juden geischaffen. Der Kampf mit der Assimilation — Max Nordau. Unser Kampf gegen die Assimilation, jetzt schon ein dreißigjähriger Krieg, den der Zionismus geführt hat und führen muß, hat hier begonnen. Einer der größten Geister, die das moderne Judentum hervorgebracht hat, einer der sprachgewaltigsten Menschen, die je gesprochen und geschrieben haben, Max Nordau, hat hier diesen Krieg erklärt. Wie der junge Abraham die Götzenbilder seiner Umgebung zerschmetterte er die Fetische eines absterbenden Judentums: die innerliche Untertänigkeit, das Kleinsein, das Versinken, das Beugen des Genicks, das Lecken des Prügelstocks, die ewige Flucht vor dem eigenen Ich, den Affentrieb einer kläglichen Nachahmung. Die scharfen Sentenzen von der moralischen Judennot, von dem „Bauch- und Auchjudentum", die Max Nordau geprägt und mit grandioser Wucht in die Oeffentlichkeit geschleudert hat, waren nicht bloß eine pikante Würze für Feinschmecker polemischer Rhetorik; sie waren vielmehr, wie der Zionismus selbst, uralte Wahrheiten in neuem Gewände. Die Assimilation herrschte damals fast noch unumschränkt. Sie entfremdete, erstickte; ihre Politik war ein unwürdiges Versteckspiel. Wo es galt, kühn iaufzu- 13