Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 621 (sequence 632)
- Language
- German, English, Hebrew
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Brodetsky, Thon Meine Herren, wie ist die Erziehungsarbeit in Palästina geartet? Es gibt, wie bekannt, keine Definition von Erziehung, wie viel verschiedene Versuche man auch gemacht hat, und ebensowenig gibt es eine eindeutige Auffassung unserer Erziehungsarbeit in Palästina. Es genügt hervorzuheben, daß sich die Erziehungsarbeit von allen anderen Arbeitszweigen in Palästina nicht unterscheidet. Auf den Beobachter macht die Aufbauarbeit in Palästina den Eindruck eines ungeheuer großen chemischen Laboratoriums, in dem die verschiedensten Versuche angestellt werden zum Zwecke der Schaffung des Menschen, ich würde beinahe sagen, des Uebermenschen, nicht in dem Sinne, den dieser Begriff jetzt hat, das heißt nicht in dem Sinne des Raubtieres, das nur seiner Beute lebt, erobert und raubt, sondern des Uebermenschen, wie ihn unser Jesaias schaute, dieses Uebermenschen, dem Eroberung und Ausbeutung fremd sind und der nur Erbarmen und Liebe, Recht und Gerechtigkeit kennt Nun, meine Herren, wenn wir einerseits die steigende und sich vertiefende seelische Religiosität sehen, andererseits die sich entwickelnden Ideen von sozialer Gerechtigkeit und innerer Verbundenheit, dann befinden wir uns eben auf der Linie derjenigen geistigen Güter des Volkes, die uns so heilig sind. Meine Herren! Es wird sehr viel über die Erziehungsarbeit in Palästina geklagt. Man muß jedoch bedenken, daß es sich dabei um ein neues Arbeitegebiet handelt, und daher kann von einer vollkommenen Ausgestaltung nicht die Rede sein. Es wird gesagt, daß wir in Palästina eine Generation von Chauvinisten erziehen. Wer das behauptet, ist im Irrtum. Denn wir suchen unseren Kindern allgemeine Menschenliebe und insbesondere tief brüderliche Beziehung zu unseren nächsten Nachbarn beizubringen. In Palästina wird nicht nur Friede angestrebt, sondern auch ein positives Zusammenleben und Zusammenwirken mit unseren arabischen Vettern. Es ist wahr, daß wir die junge Generation in nationalem Sinne erziehen, das nationale Gefühl und Bewußtsein pflegen, aber gleichzeitig wird den Kindern die Liebe zum Nichtjuden beigebracht. Also das sind in Wirklichkeit die großen Ziele der hebräischen Erziehungsarbeit in Palästina. Meine Herren! Es steht vor uns die Frage, wer der Eigentümer des Erziehungswerkes in Palästina sein soll. Sie wissen, daß letztens ein neuer Plan in dieser Beziehung aufgetaucht ist, der aber meiner Meinung wie auch der Meinung der gesamten Kommission nach jetzt noch nicht verwirklicht werden kann. Wir stehen immer auf dem Standpunkt, daß die zionistische Exekutive unsere Regierung ist und daß die Zionistische Organisation der im Aufbau und unterwegs befindliche Judenstaat ist. Eine logische Konsequenz ist es nun, daß gerade die Zionistische Organisation die Pflicht hat, für das Erziehungswerk zu sorgen und für das Erziehungsbudget die Verantwortung zu tragen. Es ist ein unmöglicher Zustand, wenn der Lehrer nicht weiß, wer für sein Gehalt verantwortlich ist Wir alle aber 621