Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 565 (sequence 576)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Moses, Gold Vorsitzender Vizepräsident Motzkin: Herr Doktor, vielleicht nehmen wir den ersten Satz des Antrages 1 aowie den Punkt;b) dieses Antrages heraus. Wir können nicht alle Funkte einzeln behandeln. Da3 sind doch die springenden Punkte. Wer spricht gegen diesen Teil des Antrages? Rabbi Gold! Delegierter Rabbiner Wolf Gold (jüdisch): Geehrter Kongreß, ich werde jetzt über einen gewissen Gegenstand sprechen, obwohl ich schon im vorhinein weiß, daß meine Meinung in dieser Frage gar nicht populär ist. Es gibt gewisse Worte, die einen gewaltigen Zauber ausüben, insbesondere ist es das Wort Einheitsschekel. Wenn man die Sache oberflächlich betrachtet, glaubt man, der Einheitsschekel werde alle Grenzen zwischen den verschiedenen zionistischen Gruppen verwischen und Harmonie in die zionistischen Reihen bringen. Wenn man deshalb über den Einheitsschekel spricht oder überhaupt über den Schekel, der die erste demokratische Institution ist, die uns der Zionismus gebracht hat und die keine Unterschiede zwischen reich und arm kennt, dann gerät man leicht in Begeisterung. Wenn wir aber die Sache eingehender betrachten, dann sehen wir in dem neuen Vorschlag eine große Gefahr für den Zionismus, und zwar nicht nur vom Standpunkt des Misrachi, sondern vom allgemein zionistischen Standpunkt betrachtet. Es ist allen bekannt, daß die Schekeleingänge zur Deckung der Ausgaben der Zionistischen Organisation bestimmt sind. Ein Vertreter der Zionistischen Exekutive gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Schekel 20 bis 30.000 Pfund bringen wird; sollten sich aber diese Hoffnungen nicht erfüllen und ein Defizit entstehen, so wird man nach anderen Mitteln suchen müssen, die vielleicht nicht so populär sind; denn beim Schekelverkauf suchten die verschiedenen Fraktionen einander zu überbieten, um ihre Reihen zu vergrößern. Wenn die Fraktionen ihr Ziel erreichen wollten, mußten sie alle ihre Kräfte für den Verkauf des Schekels einsetzen. Auf diese Weise war der Schekel eine gute Einnahmequelle. Wenn aber das bisherige System aufgegeben wird und an seine Stelle der Einheitsschekel tritt, dann werden sich die einzelnen Fraktionen nicht mehr wie bisher um den Verkauf der Schekalim kümmern, weil der Kampf der verschiedenen Fraktionen nicht während des Verkaufes der Schekalim, sondern bei den Wahlen stattfinden wird. Es gibt aber noch eine Gefahr (Zwischenruf links: Ihr fürchtet Gefahr für die Stimmen, für den Schekel fürchtet ihr nicht!) für uns alle, und zwar eine Gefahr nicht in materieller, sondern in moralischer Hinsicht. Hier haben wir vom Standpunkt des Misrachi wiederholt Klagen erheben müssen über Dinge, die tatsächlich nicht hätten vorkommen dürfen. Denken Sie nur an die Lage des Chinuch in Palästina. Von dieser Tribüne aus ist die tatsächliche Lage des Chinuch in Palästina geschildert worden. Unsere Vertreter haben gesagt, daß wir gegen euren Chinuch auftreten, weil ihr unserem Chinuch gegenüber dasselbe tut. Glauben Sie, meine Herren, das wäre eine einfache Konkurrenz und kein 565