Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 438 (sequence 449)
- Language
- German, English, Hebrew
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IL Sitzung: Palästinadebatte Mitglied der Exekutive Dr. Arthur Ruppin (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Geehrter Kongreß! Ich möchte zunächst auf einen Punkt der politischen Debatte zurückkommen, der mir besonders am Herzen liegt, nämlich auf die Araberfrage. Wir haben hier in der Rede von Herrn Doktor Weizmann ein paar außerordentlich beachtenswerte Worte gehört, in der er den Kongreß daran erinnerte, daß in Palästina 700.000 Araber leben. Es wäre nicht nötig gewesen, uns diese Tatsache in Erinnerung zu bringen, die wir wissen, und wir sollten auch die Konsequenzen aus dieser Tatsache verstehen. Daß nämlich die Araber in Palästina immer einen sehr beträchtlichen Teil der Bevölkerung bilden werden und daß wir auf ein friedliches und freundschaftliches Verhältnis zu dieser Bevölkerung angewiesen sind. Palästina wird ein Zweinationalitätenstaat sein. Meine Herren, das ist eine Tatsache, die manchem von Ihnen noch nicht genügend zum Bewußtsein gekommen ist. Sie mag manchem auch nicht angenehm sein, aber sie bleibt eine Tatsache. Und wir werden mit den Arabern nur dann zu einer friedlichen Verständigung kommen, wenn beide Nationalitäten bei ihrem Zusammenleben ihren nationalen Lebensnotwendigkeiten Rechnung tragen. Wir müssen unsere nationalen Lebensnotwendigkeiten vertreten, aber dabei auch auf die Lebensnotwendigkeiten der anderen achten. Sollte es keine Möglichkeit geben, gleichzeitig beiden Forderungen gerecht zu werden, so würde ich überhaupt an der Verwirklichung der zionistischen Idee verzweifeln. Wir können doch nicht ständig mit dem Kampfvisier dastehen. Ich bin aber der Ansicht, daß es eine Möglichkeit gibt, die Lebensinteressen beider Nationen zu vereinigen und in Palästina ein Gemeinwesen zu schaffen, in dem beide Völker ohne Vorherrschaft des einen und ohne Bedrückung des anderen in völliger Gleichberechtigung gemeinsam an der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Landes arbeiten. 438