Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 400 (sequence 411)
- Language
- German, English, Hebrew
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11. Sitzung: Palästinadebatte ausgezeichnetsten Landsleute, Herr Josef Sprinzak, der große Erfahrungen und viel Verständnis für Parteifragen und vielleicht auch für allgemeine Politik hat, aber für die Leitung eines Arbeitsdepartements nicht die nötigen Eigenschaften mitgebracht hat und erst nach der Uebernahme seines Amtes Erfahrungen auf diesem Gebiete zu sammeln begann. Dieselbe Erscheinung können wir im Einwanderungsdepartement konstatieren, dessen Leitung einem unserer größten Gelehrten, der eine Lehrkanzel in Deutschland hatte, Herrn Professor Pick, übergeben wurde. Herr Professor Pick versteht zweifelsohne sehr, sehr viel, aber erst nachdem er in sein Amt eingesetzt worden war, begann er sich mit den Fragen der Organisierung der Einwanderung, Ansiedlung der Einwanderer, beziehungsweise der Betreuung derselben bis zu ihrer Ansiedlung zu beschäftigen. Ich habe diese paar Fälle angeführt, aber ich könnte die Liste weiter fortsetzen. Wie ich aber vorhin erwähnt habe, ist es gar nicht meine Absicht, den genannten Leuten Vorwürfe zu machen, bezw7. andere an ihrer Stelle vorzuschlagen — wir haben vielleicht keine besseren Leute als diese —, aber ich möchte betonen, daß die Grundursache der Erbitterung der Opposition gegen die Arbeit der Zionistischen Exekutive in Palästina darin zu suchen ist, daß die jüdische Oeffentlichkeit sowohl in Palästina wie in der Galuth die Ueberzeugung gewonnen hat, daß sozusagen etwas faul ist im Staate Dänemark. Es gibt nichts, von dem man sagen könnte, daß es ausgesprochen schlecht ist, aber es kann im allgemeinen festgestellt werden, daß die Arbeit nicht vorwärts geht. Auf Grund all der angeführten Tatsachen komme ich zu folgendem Schluß. Da wir von den außenstehenden Faktoren nichts zu erwarten haben und uns hauptsächlich auf die uns zur Verfügung stehenden Kräfte stützen müssen, sollten wir uns vor der Wahl der Mitglieder der Exekutive davon überzeugen, ob die zu wählenden Leute für das in Aussicht genommene Arbeitsgebiet tatsächlich die nötigen Eigenschaften mitbringen. Denn gerade deshalb, weil viele Mitglieder der Exekutive ihrer Aufgabe gar nicht gewachsen waren, waren die übrigen Mitglieder der Leitung mit Arbeit überhäuft, und daraus erklärt sich ihre Müdigkeit. Deshalb der Mangel an frischen tatkräftigen Leuten, deshalb die Schwäche und die Mutlosigkeit, die überall zu beobachten ist. Die zu beobachtende Schwäche ist aber ganz einfach eine Folge der Müdigkeit. Wir bedauern es alle, und wir Palästinenser vielleicht mehr als alle anderen, daß wir zum Beispiel bei unserem Führer Herrn Dr. Weizmann diese Tatkraft und diesen Eifer beobachten — wenn ich Eifer sage, so meine ich damit die tägliche vielstündige Arbeit und Beschäftigung mit all den Erscheinungen und Ereignissen im Lande und in unserer Bewegung. Wir sehen manchmal eine oberflächliche Behandlung von verschiedenen Problemen, die einer eingehenden Erörterung bedürfen, und diese Oberflächlichkeit ist eine Folge der Müdigkeit, weil man einfach die nötige Kraft nicht aufbringt, Tage und Nächte lang zu arbeiten. Dar- 400