Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 405)
- Language
- German, English, Hebrew
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10. Sitzung: Palästinadebatte Sogar wenn es möglich sein sollte! Sie müssen ja in Betracht ziehen, daß es überall Gefahren gibt. Aber wie ich vorhin sagte, wir können das Eintreten dieser Gefahr verhindern und die vierte Alijah zu einem Segen für Palästina gestalten, und so wollen wir es auch tun. (Beifall.) Vorsitzender Vizepräsident Motzkin: Das Wort hat Herr Remez. Delegierter David Remez (mit Beifall begrüßt — jüdisch): Ich möchte einige Bemerkungen, die Herr Fishman gemacht hat, richtigstellen. Es ist ganz falsch, daß die Linke gegen die vierte Alijah ist. Die Frage, ob man helfen soll oder nicht, existiert nicht. Die einzige Frage ist, was man tun soll und wie man helfen soll. Wenn einmal eine Statistik des neuen Jischuw zusammengestellt werden wird, so wird sich zeigen, daß 80 Prozent Arbeiterelemente, 4 Prozent Spekulanten und 15 Prozent vermögende Elemente sind. Diesen 15 Prozent wird die geplante Industriebank nicht helfen. Sie brauchen die Hilfe der Bank nicht. Die 4 Prozent Spekulanten, die verdammen wir ja alle. Und die 80 Prozent Arbeiter beschäftigten uns genau so wie euch. (Widerspruch beim Misrachi.) Halpern stellte an uns die Frage, ob der jüdische Arbeiter auf eine jüdische Mehrheit verzichte. Darauf fragten wir ihn: Wollen Sie auf jüdische Arbeit verzichten? Halpern machte uns Komplimente und sagte, der jüdische Arbeiter sei leistungsfähiger als der arabische. Trotzdem aber beschäftigt er in Chederah arabische Arbeiter. Ich frage Sie nun, wer betreibt also Defizitwirtschaft? Suprasky hat berechnet, daß der jüdische Arbeiter zwei Millionen Pfund mehr gekostet hat als der nichtjüdische. Dem gegenüber besteht aber im Lande ein Unternehmer, der Misrad laawodoth ziburioth, der Aufträge im Betrage von einer Million Pfund, darunter eine Viertelmillion Regierungsarbeiten, mit Chaluzim, mit ungelernten Arbeitern ausgeführt hat und dabei mit 60.000 Pfund Reingewinn abschließen konnte. (Zwischenruf: Aber wir bezahlen Eure Defizite.) Sie müssen Lehrgeld zahlen. Der zionistische Nep kann Dr. Ruppin nicht verdauen, weil er ein idealistischer Arbeiter ist. Er hat für den wirtschaftlichen Aufbau eben so viel getan wie Weizmann für die Politik. Mit Buchhaltung kann man das nicht machen. Ruppin hat den Weg für den privaten Bodenkauf und für die Privatinitiative frei gemacht. Der jüdische Arbeiter ist ohne Organisation nicht zu haben. Der jüdische Arbeiter hat denselben Verstand wie alle Politiker, die hier sitzen. (Zur Rechten gewendet:) Wir machen Streiks, ihr Streikbrecherei. (Unruhe, Zwischenrufe rechts: Beweise, Tatsachen!) Wenn Sie ein Arbeiter sein werden, werden Sie auch streiken. Bis heute hat der Zionismus das Glück, daß der Arbeiterstaat im zionistischen Staate besteht. Ihr wißt es nicht zu schätzen, daß Ihr eine Arbeiter- 394