Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 336)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weizmann daß es für Palästina günstig wäre, in manchen Branchen einen Schutzzoll einzuführen. Ich habe heute gehört — mein unökonomischer Kopf kann das nicht richtig bewerten — daß man für junge Industrien Schutzzölle einführt, um, wie soll ich sagen, um sie zu schützen vor dem Wind der Konkurrenz, der draußen weht. Aber meinem unökonomischen Kopf scheint es, wenn wir heute einen Schutzzoll in Palästina einführen, so würde zum Beispiel Syrien, das für palästinensische Produkte ein tadelloser Markt ist, ein heute schon fertig vorhandener Markt ist, mit einem Schutzzoll antworten, und was man vielleicht auf der einen Seite gewinnt, würde man auf der andern Seite verlieren. Es scheint mir, zum Beispiel, daß es immer eine Schwierigkeit ist, eine Maßnahme zu treffen, die nur zu Gunsten eines sehr kleinen industriellen Teiles der Bevölkerung wirkt, während der ackerbautreibende Teil der Bevölkerung, der die Majorität des Landes bildet, sozusagen die Lasten dieses Schutzzolles tragen muß. Aber ich kann mir denken, daß, wenn sich Experten hinsetzen und mit der Regierung das Pro und das Contra des einen oder des andern Tarifes verhandeln, daß es möglich sein wird, bei der Regierung Verständnis für solche Dinge zu finden und daß sich alles langsam organisch entwickeln wird, wenn es einmal eine Industrie gibt. Aber diese ist heute achtzehn Monate oder zwei Jahre alt. Ich verstünde es, wenn Jabotinsky die großen grundlegenden Dinge der Wirtschaft, einen Hafen, eine Industriebank, gute Verkehrsmittel, elektrische Kraft, verlangen würde, die fundamentalen Einrichtungen, auf denen sich die Industrie aufbaut. Haben wir diese, dann wird schon die Regierung mit den kleineren oder größeren Reformen nachkommen, die notwendig werden, um die Entfaltung dieser Industrie zu fördern. Aber gerade Schutzzoll als die Grundlage einer politischen Forderung, eines Programmes, das sich weltanschaulich von unserem Programm unterscheidet, aufzustellen, scheint mir außerordentlich übertrieben. Mit Zolltarifen löst man keine Judenfrage.