Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 279)
- Language
- German, English, Hebrew
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7. Sitzung: Generaldebatte eines jüdischen Weltkongresses, und Herzl hat am 22. August 1902 aus Alt-Aussee ihm mit folgendem Brief geantwortet und darin seine Meinung zu dieser Frage geäußert. „Sehr verehrter Freund!" — Ich lese deutsch, denn so ist der Brief geschrieben. —- „Die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses kann ich selbstverständlich nicht billigen, da wir einen solchen in unserem Zionistenkongresse haben'4. Meine Herren, das ist wohl sehr interessant, aber ich glaube, daß, wenn Herzl heute leben würde, auch er zur Erkenntnis gelangt wäre, daß man den zionistischen Geist, das zionistische Bewußtsein nicht allein auf die zionistische Partei beschränken darf, sondern sie in den breiten Massen des jüdischen Volkes verbreiten und ihnen anerziehen muß. Der jüdische Weltkongreß soll eben das ganze jüdische Volk umfassen. In dieser Frage stehen wir hinter Weizmann, nur verlangen wir, daß man uns die näheren Bedingungen bekanntgebe. Dann erst, wenn wir sehen werden, was für Vorteile sie uns bringen, können wir uns entscheiden. Man sollte eigentlich auch den Vorschlag Jabotinskys erörtern und auch den Vorschlag, den Dr. Ebner, der Vorsitzende des Zionistischen Landesverbandes in der Bukowina, in der „Wiener Morgenzeitung" vorgebracht hat. Meine Herren, auch wir möchten gern betonen, daß Dr. Weizmann auf unsere Mitarbeit zählen kann. So haben wir im Exekutivausschuß für Transsylvanien und die Bukowina beschlossen, dem Präsidenten Weizmann und der Zionistischen Exekutive unser Vertiauen auszudrücken. Wir haben aber auch, meine Herren, den Beschluß gefaßt, dagegen zu protestieren, daß man den Juden Beßarabiens — 300.000 Juden — nicht einmal einen Vertreter im Kongreß zugestanden hat. Es gab noch keinen Kongreß ohne beßarabischen Delegierten. Das Kongreßgericht beharrte auf dem Standpunkte, daß man keine Ausnahmen machen könne; aber warum hat man für Marokko eine Ausnahme gemacht? Wie viele Juden gibt es in Marokko? Ich weiß es nicht, vielleicht 30.000, vielleicht nicht einmal soviel und Beßarabien mit seinen 300.000 Juden hat nicht einmal einen Vertreter bekommen. Wir protestieren auf das schärfste dagegen. (Zwischenrufe.) Meine Herren, man muß in Betracht ziehen, daß auch jetzt noch in Beßarabien der Belagerungszustand besteht, und man kann deshalb nicht so wählen, wie man will und man kann deshalb nicht denselben Maßstab anlegen wie unter normalen Verhältnissen. Meine Herren, dreihunderttausend Juden gesteht maii keinen Vertreter zu! Fragen Sie bitte Ussischkin und Sokolow, die in Beßarabien waren, wie man dort unsere Führer empfangen hat! Mit Ehrenbezeugungen gleich Königen hat man sie dort empfangen. Meine Herren, es ist wahrlich höchste Zeit, alle Kräfte zu vereinigen. Nur auf diesem Wege, wenn wir alle Kräfte organisieren und zusammenfassen werden, nur dann wird die zionistische Bewegung in ihrer Entwicklung große Fortschritte machen. (Beifall.) 268