Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 201)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte darauf, welche Schichten der Bevölkerung und der Juden davon Nutzen ziehen sollen, so sehen wir eben, daß die Differenzen vielleicht nur theoretisch sind. Und somit ist für uns die Sache ganz klar. Wenn wir technisch der polnischen Landsmannschaft angehören, so stehen wir sachlich auf dem Standpunkte: Nil zionisticum a me alienum: Alles nehmen wir an und alles hewillkommen und begrüßen wir, was zum Aufbau der nationalen Heimstätte dient und was zur Entwicklung des Zionismus und der Entwicklung von Erez Israel führt. Trotzdem aber begreife ich sehr gut, daß die Differenzen auch praktisch hervortreten werden, aber nicht hier, sondern in der Budgetkommission, und hier, wenn das Budget auf der Tagesordnung sein wird. Und auch in dieser Beziehung erachten wir es als unsere Pflicht, diese Differenzen, die hier erscheinen werden, auszugleichen, statt sie auf das schärfste zuzuspitzen, weil wir überzeugt sind, daß nur durch ausgleichende Differenzierung die Sache selbst gelingen wird. Vielleicht, wenn man die Budgetfragen immer im Einvernehmen erledigen würde, wenn man vor allem die Budgetkassen bereichern würde, vielleicht wäre das nicht notwendig, was Herr Grünbaum als ein „Sichbeugen1 \ als ein „Nachjagen", als eine „Ugoda"' ansah. Ich sage: vielleicht, denn ich bin nicht ganz dieser Ansicht. Ich bin der Ueberzeugung, daß, auch wenn unsere Kassen noch so voll wären, eine Erweiterung der Jewish Agency von großem Nutzen für den Zionismus und für Erez Israel wäre. Ich bin überzeugt, daß es vielleicht das schönste Symbol des Nachkriegszionismus ist, daß Elemente, die bis nun sich von uns fernhielten, heute zu uns kommen, nicht zu uns als Organisation, sondern zu uns als Gedanke, zu uns als Idee, um mit uns an dem Aufbau Erez Israels zu arbeiten. Und ich glaube, wenn man hier von Stolz spricht, so ist es ein schlecht angewandtes Wort. Es wäre nicht mehr als Hochnäsigkeit, sich in seinen Winkel zu verschließen und nicht sprechen zu wollen mit denjenigen, die auf Grund des Mandates und auf Grund der zionistischen Idee selbst das Recht haben, an Erez Israel zu arbeiten (Beifall), an Erez Israel, das nicht uns und nicht der Organisation, sondern dem ganzen jüdischen Volke gehört (Beifall), an dem mitzuarbeiten und mitzuhelfen jeder das Recht hat, vor dem niemand die Ermächtigung hat allein zu stehen und die andern wregzuweisen. Und es wäre ein nationales Verbrechen zu sagen: „Wir wollen mit dir nicht sprechen, weil wir sonst uns beugen und unseren Stolz aufgeben", denn der Stolz kann gelten den Fremden gegenüber, die mich befehden und bekämpfen, aber der Stolz wird Eigenwille und der Stolz wird Absicht: wenn diese andern mir die Hand reichen zu gemeinsamer Arbeit, habe ich die Pflicht, die nationale Pflicht, ihnen brüderlich entgegenzukommen. (Lebhafter Beifall.) Und ich weiß auch nicht, ob der Gedanke der Jewish Agency unsere Kräfte geschwächt hat. Es ist nicht richtig, daß eine Lähmung der Organisation eingetreten ist. Vielleicht fühlt sich der 190