Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 57)
- Language
- German, English, Hebrew
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2. Sitzung: Glückwunsch für Baron Rothschild Die Tätigkeit als Kongreßrichter ist eine notwendige und verantwortungsvolle, nicht immer eine erfreuliche und gewiß keine Beliebtheit erwerbende. So will ich Ihnen denn die Herren nennen, welche an der Entscheidung des Kongreßgerichts mitgewirkt haben, damit ich nicht alein das Ziel der Erbitterung jener bin, welche sich beschwert fühlen. Das Kongreßgericht bestand aus: Rechtsanwalt Gronemann, Dr. Desider Friedmann, Berl Locker, Max Schulmann, Dr. Seidemann, Dr. Tartakower. Ich hoffe, daß bei weiterer Stärkung des Verantwortlichkeitsgefühles unserer Funktionäre und bei steigendem Verständnis für Art und Bedeutung der Wahlen ein künftiges Kongreßgericht leichtere Arbeit haben wird und wir bis zum nächsten Kongreß einen weiteren Fortschritt werden verzeichnen können. Präsident Sokolow: Verehrter Kongreß! Ich werde Sie bitten, sich noch einmal von den Sitzen zu erheben. (Die Versammlung erhebt sich.) Es wird eine angenehme Abwechslung für den Kongreß sein, wenn wir nach dem traurigen Gedenken an unsere Verstorbenen auch eines freudvollen Ereignisses gedenken, das in unseren Kongreß hineinstrahlt. Heute ist der 8 0. Geburtstag von Baron Edmund Rothschild (stürmischer, sich immer wieder erneuernder, lang anhaltender Beifall). Baron Rothschild liebt es nicht, daß man über ihn Reden hält. Aber ich bin vielleicht einer der wenigen, die über ihn in seiner Anwesenheit eine Rede gehalten haben, erst unlängst während seines letzten Palästinabesuches. Ich kenne also seine Bescheidenheit und vermag mich in den Grenzen zu halten, welche diese vorschreibt. Daß er der Nestor der jüdischen Philanthropie ist, brauche ich nicht zu sagen. Für uns aber ist er kein Philanthrop im landläufigen Sinne, für uns ist er ein Fürst, ein Fürst in Israel, im Reiche des Zionismus. Aber das genügt noch nicht. Ich bezeichne Rothschild auch als Chaluz. Er ist ein Chaluz in der Familie Rothschild, ein Chaluz unter den reichen Juden der ganzen Welt. Was er getan hat, war wohl nicht mit Malaria und nicht mit Trocknung von Sümpfen verbunden, aber er hat mehr als 40 Jahre seines 80jährigen Lebens unserer Sache gewidmet. Mein Führer und Freund Dr. Weizmann und meine Wenigkeit könn- 46