Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 435)
- Language
- German, English, Hebrew
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. (Deutsch fortfahrend): Geehrter Kongress! Ich halte es nicht für tunlich und auch nicht iür notwendig, noch einmal den ganzen Komplex von Fragen aufzurollen, die mit diesem so viel umstrittenen Gegenstände verbunden sind. Ich glaube, in den mehrtägigen Diskussionen, die häufig tief schürfend und weit ausgreifend waren, ist wohl alles gesägt worden, was zu diesem Thema gesagt werden kann. Es ist von vielen Seiten in beredten Worten und mit starken Argumenten die Notwendigkeit der Erweiterung bewiesen worden und ich will nicht leugnen, es ist in vielen Reden mit sehr scharfen Argumenten auch darauf hingewiesen worden, wieviel Bedenken die Sache erweckt. Die Zionistische Organisation, gefestigt in ihrer Ideologie und in ihrem Zusammenhange, muss darauf achten, dass sie nicht in Gefahr komme, irgendwie erschüttert zu werden, sei es auf ideologischem Gebiete, sei es auch nur in organisatorischer Beziehung, Wir haben in den 26 bis 27 Jahren unseres Bestandes ein so "weites und grosses Stück Weges zurückgelegt, — nicht nur in die Weite, sondern auch in die Höhe, bis wir zur aligemeinen Anerkennung der Kulturmenschheit vorgedrungen sind, — dass wir diesen grossen Besitz wahren und vor jeder Gefahr der Minderung und Erschütterung bewahren müssen. Es war von vornherein klar, dass der ganze grosse Streit, den dieser Gegenstand erweckt hat, nur in der Weise ausgetragen und erledigt werden kann, dass man einen Ausweg findet, um das, was notwendig ist, mit dem in Einklang zu bringen, was möglich und was für uns zulässig ist. Man hat diesen Ausweg gesucht und wir kamen in der weitaus überwiegenden Mehrheit des Permanenzausschusses zu den Resolutionen, die Ihnen vorliegen. Ich sage im voraus: Wir haben nicht nach Kompromissen gesucht, denn es ist nicht etwas Kompromissmässiges zustande gekommen. Wir haben nach einem Auswege und nach einer Klärung dieses Gegenstandes gesucht und das glauben wir gefunden zu haben. Die Resolutionen, die ich Ihnen im Auftrage der überwiegenden Mehrheit des Permanenzausschusses vorzulegen die Ehre habe, stellen sich meinem Bewusstsein — und wenn Sie sie gründlich durchlesen, hoffentlich auch Ihrem Bewusstsein — als ein System, als ein geschlossener Gedankengang dar. Es hat sich uns zunächst darum gehandelt, einen Versuch, der — was ja kein Mensch leugnen wird und leugnen kann — mit einem gewissen Risiko verbunden ist, so zu machen, dass er erst organisch herauswächst, dass er nicht mechanisch angepappt wird, sondern organisch aus den Verhältnissen, aus den Realitäten des Lebens herauswächst. Wenn wir auch in der Ferne — in höchstens dreijähriger Ferne, wie wir uns vorgenommen haben — den Weltkongress als allerhöchste Autorität, als gesammelte Kraft des jüdischen Volkes vor uns sehen, so wollen wir doch damit nicht warten und haben es mit einer Art Provisorium versucht und es denen, die das Provisorium bilden, überlassen, den Weg zu einer definitiven Stabilisierung zu suchen und auf Grund der realen Verhältnisse, die sich ergeben werden, die Möglichkeiten abzumessen und abzuwägen. Und so gehen wir zunächst von einem mehr deklarativen Teile, von einer Präambel aus, in welcher wir von der Bestätigung unserer bereits gefassten Beschlüsse bezüglich des Weltkongresses reden. Denn wohlgemerkt, wir haben von dem Weltkongress schon damals gesprochen, als uns niemand und nichts dazu zwingen wollte und konnte, weder die Not der Verhältnisse noch irgend ein Druck der öffentlichen Meinung. Ich erinnere daran, dass, als unsere „Proposais" der Friedenskonferenz in Paris vorgelegt wurden, der folgende Passus in ihnen enthalten war: Wir wollen den Aufbau Palästinas einem allgemeinen jüdischen Weltkongresse übergeben. Wir haben uns von vornherein auf den Standpunkt gestellt, dass wir kein Monopol verlangen auf Palästina, denn Palästina ist Eigentum, Ideal, letzter Wunsch, höchster Gipfel, tiefster Ausdruck der Sehnsucht des gesamten jüdischen Volkes, und wenn wir, die Zionistische Organi- 412