Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1924-01-01 · 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923 · p. Seite 283

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
Date
1924-01-01
Page
Seite 283 (sequence 306)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476280--5414-3481559
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

und jüdische Jugend leisten kann, und ein Paradigma dafür, wie wir es mit unserer jüdischen Jugend nicht machen dürfen. Es ist das Wort gefallen und variiert worden, dass nicht die Finanzen die Menschen schaffen. Sicherlich ein richtiges Wort; man kann aber auch anders sagen: Es ist möglich, dass schlechte Finanzen die Menschen kaputt machen können, und ich kann nicht die Garantie für die Folgen übernehmen, wenn so gearbeitet werden muss, weil die Fachleute und die Mittel fehlen, und dafür, dass man dann die Jugend dauernd so behandeln darf. Man darf die Begeisterungeiner Jugend nicht auf eine zu harte Probe stellen, und wenn die Jugend begeistert ist und die Arbeit leistet, so haben die älteren die moralische Verpflichtung, für sie zu sorgen, indem die Organisation durch einen organischen Aufbau alle Sicherheiten schafft, die erforderlich sind. Ich komme zum Schlüsse. Wir haben bisher den Weg nicht gefunden, wir stehen jetzt in der Finanzfrage wieder vor einem Vakuum. Welzin a n n war in Amerika. Es ist kein Mensch hier, der ihm nicht für die ungeheure Leistung dort danken würde. Aber es ist doch eine Schmach, dass der Führer der Organisation, um das Budget aufzubringen, monatelang in Amerika arbeiten muss, um eigentlich weiter nichts zii erreichen, ais dass er, wenn er nicht unmittelbar nach dem Kongresse wieder nach Amerika geht, in kürzer Zeit wieder vor einem Vakuum stehen und nicht wissen wird, wie die Dinge weitergehen. Das ist keine Art und Weise, mag auch die Notwendigkeit des Momentes zu solchen Mitteln zwingen. Aber das ist nicht die Methode, organisch aufzubauen. Der K e r e n Hajessod muss bleiben, es geht nicht anders, aber wir sollten uns klar sein darüber und diese Klarheit in die weitesten Kreise hinaustragen, dass der Keren Hajessod als Organ des Aufbaues ein untaugliches Objekt ist und kaum dazu gedient hat, in kleinem Rahmen das Budget für Palästina aufrecht zu erhalten. Deshalb dürfen wir jetzt nicht etwa in einer überschwenglichen Begeisterung aus diesem Saale hinausgehen und sagen: Jetzt haben wir neue Menschen und jetzt wird neues Geld kommen.. Eine Idee mag irrational sein, aber ihre Ausführung muss rationell sein. Sonst werden wir in zwei Jahren zusammenkommen und um keinen Schritt in der Entscheidung weitergekommen sein. (Lebhafter Beifall.) Delegierter Berachiahu Boruchow (Estland, jüdisch;: Verehrter Kongress! Die Frage der Jewish Agency sollte eigentlich nicht an die Spitze gestellt werden, denn es sind viel wichtigere Fragen da. Wie steht es mit der politischen Leitung, wie sind die Verhältnisse in der Exekutive? Viel wichtiger ist das Verhältnis der Leitung zur Bewegung der jüdischen Renaissance und noch so manches, was die zionistische Lage, überhaupt das zionistische Sein oder Nichtsein betrifft. Das ganze Streben nach Erweiterung der Jewish Agency beruht nur darauf, dass wir drei Jahre nacheinander politische V erluste hatten, dass wir den ganzen Inhalt der Balfourschen Deklaration so gut wie verloren haben. Woher kommt das? Weil unsere Londoner Leitung nicht mit den jüdischen Maasen rechnete, weil sie die zionistischen Perspektiven verloren hat. Unser Präsident musste doch irgendeinen Erfolg aufweisen können, damit nicht die ganze Welt sieht, wie bankrott wir geworden sind. Deswegen muss er für die Befriedigung des Augenblickes sorgen, und für den Augenblick ist Geld erforderlich. Vielleicht drängt ihn die englische Regierung noch mehr als wir, dass das Geld herbeigeschafft werde, um das Land zu bauen. Eine solche Politik des Verschweigens und des Nachgebens wird unter dem Einflüsse der englischen Juden, der englischen assimilierten Juden, der liberalen kosmopolitischen Juden, für die die politischen Rechte in Palästina ein Stachel sind, geführt. Bei der bestehenden unklaren Formulierung des Mandates, bei dem Schwanken zwischen den nationalen Gefühlen und den Bürgerpflichten gegen das eigene Land wundert es uns nicht, dass sie gegen das politische Moment sind. Diesem Umstände ist es auch zuzuschreiben, dass Herr Morgenthau vor der Balfour-Deklaration als amerikanischer Gesandter 28a

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.