Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 297)
- Language
- German, English, Hebrew
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Zionismus hochhalten. Das ist ihr gutes Recht und wir können sie nur durch eine gutgemeinte Auseinandersetzung zu einem Kompromiss gewinnen. Die zweite Frage ist die Frage der Verantwortung. Als wir zum Kongresse kamen, hiess es, dass die amerikanische Delegation von einer Verantwortung der Jewish Agency nichts wissen will. Es hat sich aber bald gezeigt, dass die Amerikaner ihre Stellung geändert haben. Sie akzeptieren eine Verantwortlichkeit und das ist, glaube ich, eine conditio -sine Q u a n o n, und auf diesen Standpunkt hat sich auch die Konferenz von Westgalizien in ihren Beschlüssen gestellt Es gibt keine Jewish Agency, weder eine definitive noch eine provisorische, noch eine, die aus Delegierten und nominierten Vertretern zusammengesetzt ist, die nicht durch eine Verantwortlichkeit gebunden ist. Der Beschluss der deutschen Landsmannschaft unterstreicht dieses Moment sehr wenig. Ich glaube, es ist unmöglich, an die Spitze der Palästinaaktion eine Korporation zu stellen zur Fortsetzung der zionistischen Arbeit, also eine Organisation, aufgebaut auf hundert Prozent demokratischer Grundlagen, die nicht einer Kontrolle unterworfen wäre. Nun ist, glaube ich, die Frage der Verantwortlichkeit gelöst, und zwar im bejahenden Sinne. Es muss irgendeine Oberkörperschaft gebildet werden, sei es auf dem Wege der Entsendung seitens der Korporationen, wie meine Landsmannschaft vorgeschlagen hat, sei es auf einem anderen Wege. Eine Verantwortlichkeit muss aber jedenfalls fixiert werden. Auch das mag den Freunden von „AI Hamischmar" zur Beruhigung dienen. Akzeptiert der Kongress das Prinzip der Verantwortlichkeit, dann ist dies ein Sprungbrett zum künftigen Kongress, dann ist es ein Schritt nach vorwärts, wenn man diese Leute, die nie eine Kontrolle gewohnt waren, nunmehr innerhalb der Jewish Agency an eine Kontrolle gewöhnt. Ich glaube daher, dass unsere Freunde von „AI Hamischmar"* in den letzten drei Tagen in ihren eigenen Reihen für eine einheitliche Front des ganzen Kongresses in Angelegenheit der Jewish Agency Stimmung machen sollen. Es darf keine Sieger und keine Besiegten geben. Es darf nicht der Eindruck erweckt werden, dass hier ein Parteikampf ausgefochten wurde. Wir begehen einen logischen Fehler: Wir wollen eine Einheitlichkeit des jüdischen Volkes herbeiführen und zersprengen •die Front innerhalb des zionistischen- Kongresses. Deshalb sollte die Gruppe „AI Hamischmar** nicht so verbohrt sein. Sie muss verstehen, dass ein Kompromiss nötig ist, ohne dass sie dfc Kraft ihrer Ideen und Prinzipien für die Zukunft einbüsst. ■ Die wichtigste Frage ist die K o m p e t e n z f r a g e der Jewish Agency, die bisher wenig berührt worden ist. Das ist aber der Kern der ganzen Frage. Hierin liegen die Gründe der Furcht des „AI Hamischmar". Wird die Kompetenz der Jewish Agency so ausgestaltet, dass von dem faktischen Programm nichts übrig bleibt, dann besteht die Befürchtung, dass wir zu einer Propagandaorganisation degradiert werden; dann ist die Besorgnis begründet, der Herr Grünbaum Ausdruck verliehen hat, dass das Volk sich nicht mehr begeistern wird, da das grosse Ideal des Zionismus fehlen wird; dann besteht die Gefahr, dass die Zionistische Organisation langsam von der Jewish Agency verschlungen wird, ehe wir die Garantie liaben, dass die Jewish Agency in gleicher Weise die idealen Pflichten der Zionistischen Organisation erfüllen wird. — Die erste Frage ist: Soll der Keren Hajessod der Jewish Agency übergeben werden oder nicht? Ich glaube, wir müssen diese Frage bedingt bejahen. Die Administration des Keren Hajessod muss auf alle Fälle bei der Zionistischen Organisation bleiben. Das Budget der Jewish Agency deckt die Zionistische Organisation. Wählen wir diese Form, dann haben wir die Garantie, dass die Zionistische Organisation jederzeit, wenn die Jewish Agency falsche Bahnen einschlägt, den Keren Hajessod zurückziehen kann und erst dann die nötigen Mittel bereitstellt, wenn sich die Richtlinien der Jewish Agency konform mit den Zielen der Zionistischen Organisation bewegen. Ich glaube, das wäre eine 274