Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 296)
- Language
- German, English, Hebrew
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getan hat, umsoweniger als es Zweck dieses Kongresses ist, zu einer einheitlichen Front in der Angelegenheit der Jewish Agency zu kommen. Ich glaube, gerade die Verfechter des Kompromisses, zu denen auch Herr Dr. Daiches gehört, erweisen der Angelegenheit einen schlechten Dienst, wenn sie die Vertreter der Gruppe AI Hamischmar mit diesen Argumenten bekämpfen. Ich erachte es als Aufgabe des Kongresses, noch in den letzten drei Tagen eine Formel zu finden, die es auch der Gruppe AI Hamischmar ermöglicht, die einheitliche Front in der Angelegenheit der Jewish Agency zu bilden. Ich glaube, es sind Anzeichen vorhanden, dass unsere Gesinnungsgenossen von dieser Gruppe einsehen werden, dass die praktische Seite doch wichtiger ist als die theoretische, ohne dass sie gezwungen werden, pro futurp von ihrer Ueberzeugung abzugehen. Es handelt sich um drei Fragen, die ich kurz streifen will: 1. um die Art der Zusammensetzung der Jewish Agency. 2. um das Prinzip der Verantwortlichkeit und 3. um die Kompetenz der Jewish Agency. In bezug auf die Art der Zusammensetzung sind von Seiten verschiedener Landsmannschaften verschiedene Vorschläge gemacht worden. Ich glaube, dass der Permanenzausschuss aus diesen Anträgen die endgültige Form herausschälen wird. Es muss eine Form sein, die die Idee des jüdischen Weltkongresses zu späterer Zeit ermöglicht. Als Bedingung der Heranziehung der verschiedenen Vertreter von Organisationen müsste aufgestellt werden, dass sich diese Delegierten prinzipiell mit der Idee eines Weltkongresses einverstanden erklären. Der Zeitpunkt dieses Kongresses muss nicht fixiert werden, aber die Idee an sich sollte von diesen Repräsentanten verschiedener Korporationen im vorhinein akzeptiert werden, damit später die provisorische Jewish Agency, wenn sie den Kongress einberuft, nicht von diesen Vertretern der Organisationen gestört wird. Das würde auch unseren Gesinnungsgenossen von der Gruppe AI Hamischmar zur Beruhigung dienen als eine Art Garantie und würde auch den Beschlüssen der meisten Landeskonferenzen entsprechen, die noch fast durchwegs die Notwendigkeit eines Weltkongresses unterstrichen haben, obwohl es nur ein platonischer Beschluss war, weil er an einen Termin nicht gebunden ist. Ob nun die provisorische Jewish Agency aus. der Wahl von Keren Hajessod-Zeichnern oder aus demokratischen Wahlen der verschiedenen Judenschaften oder aus einer Delegierung von verschiedenen Organisationen entstehe^ wird, ist, glaube ich, keine prinzipielle Frage. Wenn wir heute unmöglich demokratische Wahlen durchführen können, dann ist uns jede halbdemokratische Form gut und das darf nicht als Grund des Scheiterns des Kompromisses angesehen werden. Da wir aus Propaganda- und aus moralischen Rücksichten auf dem Kongress eine einheitliche Front bilden wollen, wäre es angezeigt, schon heute diese Form zu wählen, die relativ die demokratischeste ist. Ob heute schon Wahlen zum Weltkongress durchgeführt werden könnten, ist sehr zweifelhaft. Wir wissen, dass die Exekutive im vorigen Jahre an alle Landsmannschaften einen Fragebogen gesendet hat, worin sie die Frage der Wahlen seitens der verschiedenen Landsmannschaften, bezw. Länder penetriert hat. Es hat sich erwiesen, dass Wahlen in den einzelnen Ländern eine einheitliche politische Front voraussetzen. Das ist aber eine solche Schwierigkeit wie die Zusammenberufung des ganzen Weltkongresses. Deshalb glaube ich, dass die Wahlen seitens einzelner Teile der Judenschaften heute nicht möglich sind. Es wird daher die Entsendung seitens der Organisationen heute das praktisch einzig Mögliche sein. Gerade weil diese Form ein Provisorium ist, mag es der Gruppe „AI Hamischmar" als Beruhigung dienen, dass diese Form der Jewish Agency keine endgültige ist. Der Wille zur Evolution muss unseren Freunden von der. Gruppe „AI Hamischmar" auf diesem Kongresse beigebracht werden. W7ir dürfen den guten Glauben und den guten Willen des „AI .Hamischmar" nicht verkennen. Sie sind keine Phantasten, sie wollen bloss, die Fahne des 18 273