Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 237)
- Language
- German, English, Hebrew
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wir die ungünstigen Verhältnisse, die unserem Ziele im Wege stehen, - überwinden. Erste Bedingung dafür ist, glauben wir, auf raschestem Wege eine möglichst grosse Anzahl von Juden nach Palästina zu bringen. Dies erachten wir als unsere wichtigste Aufgabe. Wir müssen Juden nach Palästina hineinbringen, und zwar so schnell wie möglich. Das ist unsere Antwort auf die Araberfrage, wie auch auf viele wirtschaftlichen Fragen. Ich weiss nicht, was für Losungen Sie haben: wir haben nur eine Losung: Juden nach Palästina zu bringen und Verhältnisse zu schaffen, die es ihnen ermöglichen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nun, meine Freunde, wie sollen diese Juden hineingebracht werden? Herr Ussischkin hat hier eine sehr schlagende Bemerkung gemacht. Er sagte: „Finanzen machen nicht Menschen; Menschen machen Finanzen." Nun, das mag wohl ein gutes Schlagwort sein; es klingt sehr gut, aber was bedeutet es? Wenn wir nicht die Finanzen haben werden, um Menschen nach Palästina zu bringen, so werden wir auch keine Menschen haben, .um Finanzen zu schaffen. Es ist deshalb notwendig, dass wir eine grösstmogliche Summe Geldes in der raschestmöglichen Zeit aufbringen, um die Einwanderung nach Palästina zu beschleunigen. Herr Ussischkin sagte selbst, dass Einwanderer nach Palästina kommen, die wegen dortiger Arbeitslosigkeit wieder zurückgewiesen werden müssen. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir keine genügenden Mittel geschaffen haben, um die Inangriffnahme konstruktiver Arbeit zu ermöglichen; dass wir nicht die Unternehmungen begründet haben, die geeignet wären, den neuankommenden Immigranten Arbeitsgelegenheit zu bieten und ihnen dadurch die Einwanderung und das Absorbiertwerden in Stadt und Land zu ermöglichen. Auf welche Weise soll dies erreicht werden, diese Aufbringung grösserer Mittel? Herr Grünbaum sagt, wir sollen zu den Volksmassen gehen. Die Volksmassen: das hören wir immer und immer wieder. Ich möchte Herrn Grünbaum fragen: Wer wird uns die Volksmassen zuführen, die, wie er sagt, wir bis heute noch nicht gänzlich für uns ge-. Winnen konnten? Ich behaupte, dass, wenn es Chaim W e i z m a n n nicht gelungen ist, die Volksmassen zu gewinnen, wenn S o k o 1 o w, wenn Schmarja L e v i n die Volksmassen nicht gewinnen konnten, so hege ich ernste Zweifel, dass Izchak Grünbaum uns die Volksmassen wird zuführen können. Gestatten Sie mir noch eine weitere Bemerkung zu machen: Herr Grünbaum, wie auch andere, sprechen im Namen der Volksmassen und als ob sie von den Volksmassen besonders beauftragt worden wären, für sie zu sprechen. Nun möchte ich gerne wissen, wie es kommt, dass die Volksmassen, für die Herr Grünbaum spricht, gegen ihn gestimmt haben. Anscheinend stimmen sie nicht mit ihm überein. Ich sage dies nicht im persönlichen Sinne, denn ich hege grossen Respekt für Herrn Grünbaum. Ich weiss wohl, was er in Polen geleistet hat — aber gebrauchen wir doch nicht Phrasen, die keine Bedeutung haben. Wir haben genau das getan, was uns von ihnen geraten wird; wir haben Tag für Tag mit den Volksmassen gearbeitet und wiederum gearbeitet. Was haben wir aber erzielt? Damit will ich nicht etwa gesagt 214