Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 127)
- Language
- German, English, Hebrew
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die uns eine ausserordentlich grosse Arbeitsmöglichkeit geben, Positionen, die heute zum Teile noch nicht Gegenstände des realen Werdens, sondern Möglichkeiten der realen Entwicklung sind. Wir sind also in derselben Lage, in der sich viele neue politische Kräfte in Europa und in anderen Erdteilen befinden. Ebenso wie alle diese haben auch wir jetzt Positionen zu verteidigen, und da sind wir denn ganz erstaunt, dass unsere politische Arbeit jetzt einen anderen Charakter haben muss, als vor dem Kriege. Und wenn wir nun konstatieren müssen, dass wir überall in der Verteidigung stehen, so sollen wir damit nicht den Eindruck gewinnen: Also steht unsere Sache schlecht. Im Gegenteil, unsere Sache steht viel besser, als sie gestanden hat, denn wir haben etwas zu verteidigen, und wir haben nicht den Eindruck, dass die Verteidigung unserer Position in Anbetracht der tatsächlichen Mittel, die vorhanden sind, der tatsächlichen Möglichkeiten — von der politischen Leitung unserer Bewegung in unzureichender Weise geführt wird. Im Gegenteil, ich habe den ausdrücklichen Auftrag auszusprechen, dass die deutsche Landsmannschaft zu der politischen Arbeit und zur Führung unserer Bewegung durch unsere Präsidenten W e i z m a n n und Sokol ow Vertrauen hat. (Lauter Beifall und Händeklatschen.) Wir begrüssen es auch, dass es der Leitung unserer Bewegung gelungen ist, neue Kräfte für ihre politische Vertretung in Palästina zu finden, und wir haben nur den Wunsch, dass die neue Exekutive sich ernst mit dem Problem befasst: neue politische Menschen für unsere politische Arbeit auszubilden. Der Zustand, über den insbesondere Dr. W e i z m a n n so klagt, dass nur sehr wenige Personen unserer Bewegung vorbereitet sind, politisch zu arbeiten, kann nur überwunden werden, indem die Bewegung in systematischer Weise Menschen für die politische Arbeit vorbereitet und sie, Wie in einem geordnetem Organismus, für diese Arbeit erzieht. Ich möchte in diesem Zusammenhange aussprechen, dass wir durchaus nicht in dem Gefühle leben, dass die Balfour-Deklaration eine tönerne Unterlage sei, dass wir Zionisten nicht uns voll auf die Zusagen verlassen können, die uns von England und den übrigen Unterzeichnern der Baifour-DekUration gemacht worden sind. Wir sind sicher, dass diese Mächte, insbesondere England, uns gegenüber die Stellung einnehmen werden, zu der sie die Balfour-Deklaration verpflichtet. Wir haben den Eindruck, dass es nur von der Intensität unserer Arbeit abhängt, ob wir aus dem Inhalte der Balfour-Deklaration eine volle, uneingeschränkte, politische Realität werden machen können. Welche Bedeutung hierbei die Frage der Beziehungen zwischen Juden und Arabern haben wird, brauche ich hier nicht darzulegen. Die Stellung der deutschen Landsmannschaft und die Haltung der zionistischen Presse in dieser Frage ist bekannt. Sie ist seit Jahren ein und dieselbe, und wir glauben mit Befriedigung konstatieren zu können, dass diese Ansichten über die Notwendigkeit eines friedlichen und geordneten Zusammenlebens von Juden und Arabern in Palästina, ich kann wohl sagen, zu einem Gemeingut der Ansichten in der9 zionistischen Bewegung geworden sind. Wenn unsere Bewegung diese politische Linie innehält, welche ihr 104