Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 36)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476280--5144-3481289- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ist — dass eine Reihe neuer Kolonisationspunkte ins Leben gerufen 'worden ist, so wird man, ohne sich dem Vorwurfe der Schönfäitberei auszusetzen, mit Recht behaupten dürfen, dass trotz der schweren Sorge des Tages und ungeachtet des langsamen, fast schneckenhaften Tempos des Wiederaubaues sichere Anzeichen eines, wenn auch nicht offenkundigen, aber latenten und sicheren) Fortschrittes vorhanden sind. Jedes Werden hat Momente, wo es für die meistengar nicht wahrnehmbar ist; diese Momente erzeugen notwendigerweise 'Misstirnmungen, aber dies beweist nichts. Wir möchten zum Schluss noch jenen Namen erwähnen, der im Zusammenhang mit Erez Israel dem jüdischen Volke so liebgeworden ist: Baron Edmund Rothschild. Dieser edle Freund Palästinas steht treuherzig und tatkräftig 'an der Fahne des Wiederaufbaues, und seine Tätigkeit geht einer neuen Entwicklung entgegen. Hochverehrter Kongress! Manche glaubten, die Bestätigung des Palästina-Mandates bedeute das Ende politischer Sorgen. Aber gerade die abgelaufene Kongressperiode hat diese Sorgen vermehrt. Eine förmliche Sturmflut von Anklagen und Beschuldigungen brauste gegen den Zionismus heran. Groteske Uebertreibungen, Ammenmärchen, Schauergemälde, in denen eine zügellose Phantasie ihre Orgien feierte, wurden über unsere Tätigkeit und Absichten verbreitet. Unser Programm mochte noch so klar und bestimmt vor den Augen der Welt liegen, dies half uns nichts; denn man dichtete ums Programme an, von denen wir keine Ahnung hatten, ga, die in einem diametralen Gegensatz zu unserem Programm stehen. Wir, die wir durch Tradition und Interessengemeinschaft die aufrichtigsten Freunde des arabischen Volkes sind; wir, die begeisterten Anhänger des Grundsatzes gegenseitiger religiöser Achtung, die wir unzählige Male erklärt haben, die heiligen Stätten des Christentums aufs sorgfältigste zu respektieren, wurden als Feinde der Araber und des Christentums verschrien. Durch unsinnige, widerspruchsvolle Kombination wurden Schreckgespenster ausgemalt, Zerrbilder, die einfältigen Leute zu schrecken. Leuchtete man einem solchen Gespenst ins Gesicht, verschwand es, um neuen Phantomen den Platz zu räumen. Es ist tief zu beiklagen, dass wir einer solchen V e r- ^virrung, einem so gründlichen Verkennen der tatsächlichen Verhältnisse dort begegnen müssen, wo wir ein reifes politisches Urteil zu finden gewohnt waren: in einer Presse, die den grossen Prinzipien der Gerechtigkeit und der Freiheit huldigt, in einigen Organen der englischen Presse. Es ist dies eine ernste Erscheinung, die aber nicht zu tragisch aufgefasst werden darf. Vier Ursachen sind eis, die die anti-zionistische Pressekampagne zur Folge hatten-: die Reaktion, der Antisemitismus, die -Konkretisierung der zionistischen Ziele und die Tagespolitik. Die Balfour-Deklaration war ein Moment des Aufschwunges 13