Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 741 (sequence 751)
- Language
- German, English, Hebrew
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neuen Boden diesen Kongreß zu organisieren und das sich seiner Pflicht in gewissenhafter Weise entledigt hat. (Lebhafter Beifall.) Und nun, hoher Kongreß, bevor ich in dieser späten Stunde schließe, möchte ich meine eigenen Eindrücke vom Kongreß in die Worte zusammenfassen: Es war ein schwerer Kongreß, aber es war ein guter Kongreß. Vielleicht — und ich will es hoffen — ist dieser Kongreß der Schwanengesang der Kongresse in der Galuth. Ich hoffe, daß der nächste Kongreß in Jerusalem stattfinden wird. (Langandauernder, stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Auf diesem Kongresse haben wir uns ausgesprochen und haben nichts verhehlt. Man hat hier ein Spiegelbild des jüdischen Volkes mit seinen Hoffnungen, mit seinen Streitigkeiten, mit seinen Parteien und Unzulänglichkeiten gesehen, so wie es ist. Unsere Streitigkeiten waren nicht unfruchtbare Kämpfe, sondern ein schöpferisches Ringen. Diese Streitigkeiten bedeuten Leben. Sie werden vom Kongresse herausgehen und die Botschaft dem Volke bringen. Und ich möchte eines sagen: Es wird so oft die Phrase wiederholt, wir sollen uns an die jüdischen Organisationen wenden, an die großen jüdischen Organisationen. Ich muß aber sagen, anstatt an die jüdischen Organisationen wollen wir uns an den Juden wenden, an den Durchschnittsjuden, an den Juden in der jüdischen Gasse und im jüdischen Hause. Und wir werden diesen Juden finden. Hoher Kongreß! Das Leitmotiv in allen den Verhandlungen des Kongresses hätte eine Tatsache sein sollen, die nicht genügend betont worden ist und die ich zum Schlüsse noch erwähnen möchte. Und diese Tatsache ist folgende: Wir sind uns noch nicht bewußt, daß wir schon angefangen haben, das jüdische Nationalheim zu bauen. Wir sind schon eine Tatsache in der Welt geworden, ob wir wollen oder nicht. Wir sind uns dessen noch nicht genügend bewußt. Diejenigen unter Euch, die aus Erez Israel gekommen sind, die sind von dem jüdischen Nationalheim gekommen. Das jüdische nationale Heim, gut oder schlecht, trotz aller Klagen, die wir begründeterweise zu erheben haben gegen Mißstände — das wichtigste ist doch, daß das jüdische nationale Heim gebaut wird. Man hat schon angefangen die Straßen zu bauen und man baut Häuser, und was man dort baut, so tot es scheint, — es scheint, daß diese Zusammenhäufung von Stein tot ist, — ist doch das Organischeste und Lebendigste, was man bauen kann. Wir sind schon in diesem Prozeß begriffen und das jüdische Volk ist auf Leben und Tod in diesen Kampf eingetreten, und es handelt sich jetzt — und das muß jedem Juden gesagt werden — um die Ehre und Existenz des jüdischen Volkes. Wir haben es unternommen, das jüdische nationale Heim zu bauen und wir haben angefangen, die Grundlagen für dasselbe zu legen. 741