Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 735 (sequence 745)
- Language
- German, English, Hebrew
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erwarten, der Tag der Verkündung des Anfanges der Erlösung, den wir in Feuertränen und Höllenqualen herbeisehnten, ist endlich gekommen. Der erste Klang, das erste Echo der Erlösung ist an uns gelangt; aber in dieser Stunde, in der wir hofften, alle Juden aus allen Ländern und aus allen Himmelsrichtungen versammelt zu sehen, sehen wir leider nur die Boten eines kleinen Teiles. Ein großer Teil derer, die sich darauf vorbereiteten, zu uns hierher zu kommen, um den ersten Ruf zu vernehmen, mußte leider fern von uns bleiben. Ich denke an die 500 Delegierten, die aus Rußland hätten kommen können und die von uns durch eine eiserne Wand getrennt sind. Wer weiß, ob auch nur ein schwacher Abklang dieses Rufes an sie gelangen wird, ja, ob wir es überhaupt noch erleben werden, sie zu sehen. Richten wir unsere Herzen nach dem Osten und entsenden wir ihnen unsern Segen und unsere Wünsche, wenn nicht einer vollkommenen Erlösung, so doch wenigstens der Rettung aus einer fürchterlichen Hölle, wo sie sich in Asche und Blut wälzen. Wer weiß, ob die nächste Zukunft ihnen diese Erlösung bringen wird und ob ihr Blut nicht vergebens für uns geflossen ist. Denken wir immer an diese unglücklichen Brüder und vergessen wir ihrer nicht, bis sie wieder sich aus dieser Asche und aus diesem Blute erhoben haben. Einen kleinen Trost wollen wir darin sehen, daß unser Volk aus dieser fürchterlichen Lage eine Lehre ziehen wird. Vor ungefähr vier Jahren, noch vor der russischen Revolution, als das russische Judentum sich in glänzenden materiellen Verhältnissen befand, hofften alle nach dem Friedensschluß ihr Vermögen nach Palästina zu retten. Und als gerade dann die Balfour- Deklaration verkündet wurde, ergriff das ganze russische Judentum eine unbeschreibliche Freude, sie sahen darin das langerwartete Wunder. Wir sehen nun, was aus all diesen Hoffnungen geworden ist. Möge das jüdische Volk jetzt sich endlich einmal überlegen, daß es in einem fremden Lande für uns keine Hoffnungen geben kann. In einer Minute wird alles zugrunde gerichtet, nicht nur leicht verdiente Kapitalien, sondern altererbte und schwer erworbene Reichtümer werden restlos vernichtet. Mögen Sie all das bedenken und Ihre Vermögen dahin bringen, wo sie für ewig dem jüdischen Volk gesichert bleiben. Die Stunde der Tat hat geschlagen. Wir sind überdrüssig der Träume, der Phantasien und Pläne, und wollen Taten sehen. In der Arbeit werden sich die Gegensätze ausgleichen. Die ewigen Streitigkeiten und theoretischen Auseinandersetzungen zermürben unsern Willen und zerbröckeln uns in einzelne Staubkörnchen, die sich nicht zu einem massiven Klumpen zusammentun können. Unter der Oberfläche der Tat werden sich aber unsere einzelnen Wurzeln zusammenfinden, sie werden zusammenwachsen zu einem starken Stamm und die einzelnen Bäume werden einen großen Wald bilden. Laßt uns nur durch die Arbeit in unserem Boden 735