Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 719 (sequence 729)
- Language
- German, English, Hebrew
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und Leiden drang e£n starkes Sehnen nach Erlösung und Befreiung, ein Streben, zusammen mit anderen unterdrückten Völkern beireit zu werden, empor. Die gewaltige Arbeit, die durch uns in der ganzen Welt und besonders in England, Frankreich, Italien und Amerika, geleistet worden war, trug ihre Früchte. Völker und Regierungen erkannten unser Recht, unser nationales Heim aufzurichten, an. Man gab uns die Möglichkeit, unser Geburtsland durch unsere Arbeit und unser Blut wieder zu erobern. Der Weg zur Wiedergeburt wurde für uns frei. Es fehlte uns nur an der dem erhabenen Ziele entsprechenden Anstrengung. Diese erforderliche Anstrengung ist bisher noch nicht erfolgt. Zwar haben sich in unserem Lager große Volkskräfte aus allen Schichten und aus allen Enden der Diaspora gesammelt; zwar wuchsen und vermehrten sich unsere Mittel und unser Können. Noch aber reicht das alles nicht aus, um das Wunder der Wiedergeburt des jüdischen Volkes zu vollbringen, das Wunder der Rückkehr nach Zion. Wir wissen, Leiden und Qualen, wie sie noch nie in unserer Geschichte dagewesen sind, haben unsere Kräfte verringert und unsere Reihen in Verwirrung gebracht. Die Hauptsiedelungen der Diaspora, die die Hochburg des Zionismus und die Quelle für die Schaffung des neuen nationalen Lebens waren, sind zerstört. Es ist für uns unmöglich, länger zu warten. Der Rückgang unserer Kräfte, die Verminderung unserer Anstrengungen haben unsere Stellung bereits geschwächt. Jüdisches Blut floß in Palästina, das Blut unserer Söhne, die ihr Leben für die Freiheit unseres Landes und Volkes geopfert haben. Dieses Blut ist das Blut der Verpflichtung. Es wird das Band zwischen uns und unserem Geburtslande wieder neu knüpfen und es heiligen. Der Rückgang unserer Aufbautätigkeit hat uns auch politisch geschwächt. Zeitweilig schien es, als ob unsere während des Krieges und in den Friedensverträgen erworbenen Rechte in Frage gestellt wären. Jüdisches Volk! Die Stunde drängt, die Hindernisse wachsen und vervielfältigen sich. Unsere Gegner, die unsere Hoffnung vernichten wollen, erheben das Haupt. Die Stunde schwerer Prüfungen ist angebrochen. Das Volk muß ungeheure Anstrengungen machen, alle in ihm vorhandenen Kräfte des Aufbaus müssen sich sammeln, gewaltige Mittel sind notwendig, um das Land mit Arbeit und Tätigkeit zu durchdringen und alle seine Bewohner in den Strom hineinzuziehen. 719