Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 622 (sequence 632)
- Language
- German, English, Hebrew
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Berichterstatter Dr. Halpern: Meine Herren! Im Anschlüsse daran, was ich Ihnen heute Vormittag auszuführen die Ehre hatte, beginne ich jetzt, die einzelnen Posten des Budgets vorzubringen, damit Sie zu ihnen Stellung nehmen können. Der erste Posten betrifft das Erziehungswesen und ist hier eingebracht mit 128 000 Pfund Sterling. Vizepräsident Dr. Klumel: Wer ist gegen den Antrag? Delegierter Babkow (Rußland, hebräisch): Ich stelle den Antrag, daß man zu dieser Summe noch 10 000 Pfund für das Schulwesen bewillige, so daß dieser Posten an Stelle von 90 000 Pfund 100 000 Pfund beträgt. Mitglied des A.C. Finzi (Tschechoslowakei, deutsch): Es ist in der Budgetkommission und in der Obmännerkonferenz der Finanzkommission beschlossen worden, ein Amendement zu beantragen, daß man es der Schulbehörde, dem Waad Hachinuch freistelle, die Ziffer 90 000 für das Schulwesen und 25 000 für die Schulbauten in der Weise zu teilen, daß man im Notfalle die erste Summe auf 100 000 ergänzt und für die Schulbauten nur 15 000 ausgibt. Das ist ein Mittelweg, den wir vorschlagen und den ich Sie bitte anzunehmen. Mitglied des A.C. Dr. H. Loewe: Ich erfahre hier zum ersten Male zu meinem Erstaunen, daß in diesem Punkte die Bibliothek mit einbegriffen ist. Ich mache aufmerksam, daß zur Finanzierung der Nationalbibliothek allein ein Budget von 12 500 Pfund notwendig wäre. Ich habe das deshalb nicht beantragt, weil ich mir sagte, daß wir noch nicht daran gehen, die Nationalbibliothek zu errichten. Ich habe heute nur 5000 Pfund Sterling verlangt, diese aber wurden uns auf 3000 Pfund Sterling zusammengestrichen. Das ist gänzlich unmöglich. In meinem Budget ist für Bücherkäufe nichts gerechnet, ich dachte, daß ich mehr von privater Seite bekommen werde. Im letzten Jahre habe ich 350 000 Mk. zusammengebracht, um die Büchereinkäufe zu besorgen. Ich muß Pfund ausgeben und Mark einnehmen. Wir haben aber nicht einmal genügend Geld für den Transport der Bücher. Die 60 Pfund für Transportspesen von Büchern, die ich nach Jerusalem geschickt habe, habe ich noch nicht einmal zurückbekommen. Die Beamten, selbst Dr. Hugo Bergmann, erhalten ein Gehalt, mit dem man nicht auskommen kann. Andere Bibliothekare erhalten 15 Pfund im Monat und können davon nicht leben. Es ist lächerlich, wenn alles für die Bibliothek spricht und alles dagegen geschieht. Man gibt uns nicht einmal die Mittel für die Räumlichkeiten, wir müssen einen Flügel anbauen, denn wir haben keinen Raum, wir müssen die letzten Ecken in der Bibliothek vollstopfen. Es ist notwendig, Räume zu mieten, einen Flügel anzubauen, usw. Für alles das ist kein Geld da. Ich könnte eine ganz große, berühmte Bibliothek bekommen für Jerusalem und kann sie nur auslösen, wenn ich Pf. 1200 zur Verfügung habe und nicht einmal diesen Betrag können wir bekommen. Gleichzeitig sehe ich, daß für den Waad Halaschon nicht einmal die Summe von Pf. 240, die im vorigen Jahr ausgesetzt war, wieder beantragt worden ist. Die Bibliothek in Jaffa bittet darum, daß man ihr Pf. 200 bewilligt, damit man sie nicht schließen muß. Ich bitte dringend, diese kleinen Posten nicht zu streichen, außerdem für den Waad Halaschon Pf. 240 zu bewilligen. Wenn Sie wollen, daß kulturell überhaupt etwas geschehen soll, wollen Sie diese Brücke zum Orient bauen, dann bleiben Sie nicht bei Pf. 2000 stehen und machen Sie uns nicht jede Arbeit unmöglich. 622