Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 607 (sequence 617)
- Language
- German, English, Hebrew
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Berichterstatter Dr. S. A. van Vriesland: Geehrter Kongreß! Ich habe Ihnen den Finanzbericht der Zionistischen Commission für Palästina vorzulegen. Ich werde aber nicht in Details eingehen. Wenn Sie irgendwelche Informationen entweder im Kongreß oder nachher brauchen, so stehe ich Ihnen immer zur Verfügung. Ich habe versucht, in dem Bericht eine objektive Darstellung der Tatsachen ohne Gruppierung nach irgendwelcher Tendenz zu geben. Ich möchte aber bei dieser Gelegenheit einiges über die Palästinafinanzen im allgemeinen beifügen. In diesen Tagen feiern wir den ersten Geburtstag der Krise in Palästina und ich muß Ihnen sagen, Sie wissen nicht, was es gekostet hat, daß es nicht die Jahrzeit der Krise in Palästina geworden ist. Die Situation, wie sie im letzten Jahre war, kann nicht fortdauern. Wissen Sie, wie das zionistische Palästina eigentlich jetzt finanziell administriert wird? Ganz Palästina wartet auf die Rimessen von London. London schickt immer das Geld, das da ist, einmal 5 000, einmal 3 000, einmal 8 000 Pfund und auf diese Weise wird die Wirtschaft in Palästina stoßweise weitergeführt. Dabei stehen wir immer unter der Gefahr des Zusammenbruches. Um Ihnen ein Beispiel von den Qualen zu geben, die wir dabei durchmachen, kann ich sagen, daß drei Tage vor Pessach kein Geld für April eingelaufen war. Man muß dort gelebt und mitgewirkt haben, um klar zu sehen, wie die Situation ist. Wenn 100 Arbeiter ohne Arbeit sind, wird direkt ein Druck auf die Zionistische Commission ausgeübt, denn man kann die Arbeiter auch aus politischen Gründen nicht ohne Arbeit lassen. Ganz Palästina beruht auf den Rimessen von London. Es gibt sehr wenig Leute, die im Lande wurzeln. Das ist eine schlechte Lage. Wenn ich höre, wie groß der Enthusiasmus über die Gelder ist, die für den Keren Hajessod einlaufen werden, so denke ich an die Telegramme, die wir gerade jetzt aus Palästina bekommen, wie verzweifelt die Lage dort ist. Es ist jetzt, am 2. September, die Zeit — um Ihnen noch ein Beispiel anzuführen, — daß die Miete gezahlt werden muß. An», 2. September ist kein Geld da und alle Hauseigentümer, Araber, stehen im Waad Hazirim (Zionist Commission) und fordern Geld. Auf die Weise kann die Zionistische Organisation ihren Kredit verlieren. Ich bin damit einverstanden, daß die Organisation, wenn sie ihre Pflicht nicht erfüllen kann, wie sich Herr C o w e n ausgedrückt hat, ihren Bankrott ansagen soll; aber das darf nicht einem Zufall überlassen bleiben. Es kann sein, daß, wenn die Rimessen einige Tage zu spät kommen, eine Katastrophe eintritt. Denken Sie, abgesehen von der Gefahr des Zusammenbruches, an die Demoralisation! Die Lehrer schicken ihre Kinder fragen, ob die Rimessen aus London noch nicht angekommen sind. Der Waad Hazirim wird von Leuten belagert, die ein Recht darauf haben, Geld zu bekommen, und wir können diese Pflicht nicht erfüllen. Der ganze Zionismus, die konstruktive und nationale Arbeit wird dadurch zu einer Chaluka-Institution. Man wartet immer auf den finanziellen Moschiach und es besteht die Gefahr, daß er doch einmal zu spät kommen wird. Herr Sokolow hat gesagt, daß die Adresse für das jüdische Volk und den Aufbau Palästinas 607