Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 583 (sequence 593)
- Language
- German, English, Hebrew
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Keren Hajessod gebührt denjenigen Herren, die heute als Direktoren des Keren Hajessod vor Ihnen stehen. Meine Damen und Herren! Die erhebendste Stunde der Londoner Konferenz war die Stunde, in welcher der Keren Hajessod geboren wurde. Es war ein Wunder, daß auf * der Konferenz diese große Institution das Licht der Welt erblicken konnte. Ich war zugegen und kann Ihnen sagen, daß viele sich fragten: Wird es möglich sein, daß diese Institution Wirklichkeit werden wird, und da wurden die Namen Naiditsch, Zlatopolsky und einiger anderer Herren genannt, die gleich auf der Stelle große Summen gestiftet und damit die Grundlage für den Keren Hajessod gelegt haben. (Großer Beifall.) Und heute ist der Keren Hajessod Wirklichkeit, eingesegnet und geweiht von dem einstimmigen Wunsche des ganzen Kongresses, daß das jüdische Volk seine Pflicht erfülle und wieder auf der biblischen Höhe stehe. Es ist jetzt unsere Pflicht, den Herren Direktoren des Keren Hajessod unsern Dank und unsere Anerkennung auszusprechen, und ich beantrage, daß dieser Kongreß den Direktoren des Keren Hajessod seinen Dank und seine Anerkennung ausspricht. (Großer Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Motzkin: Geehrter Kongreß! Ehe wir zur Abstimmung über diesen Vorschlag kommen, erlaube ich mir, eine Ausnahme von der üblichen Geschäftsordnung zu machen. Herr Rev. Masliansky, der 40 Jahre für unsere Idee gearbeitet hat und uns leider verläßt, bittet, ihm das Wort zu einigen Worten des Abschiedes und zu einer Erklärung in Bezug auf den Keren Hajessod zu gewähren. Delegierter Rev. Masliansky (Amerika, hebräisch, mit stürmischem Beifall begrüßt): Auserwählte des Volkes! Als ein alter Soldat im Kampfe um unsere Nation, der seit 40 Jahren kämpft und leidet, der viele Mal verhaftet und sein ganzes Leben verfolgt war, der alle Länder bereist hat, ohne ein Land zu haben, der alle Sprachen spricht und keine Sprache hat, als der Unglücklichste unter den Unglücklichen, begrüße ich Sie, Vertreter der Nation. Ich will Sie daran erinnern, daß in unserem blutgetränkten Lande viele tausende begeisterter junger Leute wie Sie vorhanden sind! Ich überbringe Ihnen den Gruß unserer Jugend aus Palästina. Ich möchte am liebsten nur hebräisch sprechen. Aber leider verstehen mich nicht alle. Ich gehe daher zu Jüdisch über. Ich habe leider nicht viel Zeit, um alles das zu sagen, was ich sagen möchte. Den Mann, der vor Ihnen steht, werden viele von Ihnen noch von seiner Jugend her kennen. Ich habe ganz Rußland durchwandert, dann wurde ich ausgewiesen; 17mal war ich verhaftet. 40 Jahre habe ich den Zionstraum geträumt, und nun sehe ich den Anfang der- Erfüllung. Wenn ich zurückblicke auf die letzten Jahre, sehe ich 4 Epochen im Zionismus. Die erste war Olam Haazilut, die Epoche der Abstraktion, der Träume, der Phantasien, die von der Zerstörung des Tempels an dauerte. Die Träume, die Kabbala hatten uns von dem Boden der Wirklichkeit entfernt. Am Ende dieser Epoche, als Rambam nach Jerusalem kam, waren dort zwei jüdische Familien, die eine Färberei betrieben. Dann kam die zweite Epoche, Olam Habriah, die Epoche des Schaffens. Dr. Pinsker hat den Gedanken des Zionismus geschaffen. Er erkannte, daß ein Volk ohne Land nicht existieren kann. Noch aber hatte der Gedanke keine feste Form angenommen. Dann kam der große Former, Dr. H e r z 1, und es begann die dritte Epoche, Olam Hajezirah, die Epoche des Formens. Jetzt aber stehen wir vor dem Olam Hamaasse, der Epoche der Tat. 583