Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 576 (sequence 586)
- Language
- German, English, Hebrew
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keine namentliche Abstimmung; denn das dauert zwei Stunden und glauben Sie, daß sie ein anderes Resultat ergeben wird? (Rufe: Ja!) Berichterstatter Dr. Hantke: Geehrter Kongreß! Gestatten Sie mir zunächst nur einige Worte. Wir haben alle solche einschränkenden Bestimmungen, wie „nach Möglichkeit" oder „dergleichen", abgelehnt. Herr Dr. D a i c h e s, gestatten Sie mir den Ausdruck: Sie versuchen, leise Hurrah zu schreien. Wenn man eine Parole ausgibt, so muß man den Mut haben, sie wirklich auszugeben. Es wird ja, meine Herren, auf besondere Verhältnisse Rücksicht genommen; aber es gibt nichts Einschränkendes oder sonst etwas in dem Sinne, daß man versucht, die Forderung des Maasser kleinzumachen. Wenn wir den Maasser beschließen, so meinen wir das wirklich. Ich habe aber eine persönliche Bitte an die 70 Delegierten, die den Antrag unterschrieben haben. Es ändert sich durch eine namentliche Abstimmung nichts. Sie dürfen auch überzeugt sein, daß dieser Beschluß des Kongresses genau so wirkt, wenn er nicht namentlich gefaßt wird. Denn das jüdische Volk weiß schon, daß Sie den Maasser beschlossen haben, wir sagen es schon seit % Jahren und es haben ihn auch schon viele bezahlt. Aber glauben Sie nur nicht, daß im Leben eines Volkes und bei der Durchführung einer solchen Aufgabe 6 Monate auch nur zählen. Es wäre kein Wunder, wenn heute der erste Mensch Maasser bezahlen würde. Also bitte, verzichten Sie darauf, es ist eine lange Abstimmung und wir werden nicht von der Stelle kommen. (Ein Delegierter: Wenn es durchgeht, verzichten wir auf die namentliche Abstimmung! — Zwischenruf: Was heißt das: Der Keren Hajessod ist durch Abgabe vom Vermögen und Einkommen hereinzubringen?) Auch der Anfragende weiß, daß wir proklamiert haben, man soll zahlen einmal einen Maasser vom Vermögen nach Abzug aller Verpflichtungen, zahlbar in 5 Jahresraten, jedesmal Vö, und dann vom Nettoeinkommen durch 5 Jahre. Jetzt wird diese Forderung dadurch den Verhältnissen angepaßt, daß wir von einem maasserfreien Minimum und von der Berücksichtigung besonderer Verhältnisse sprechen. Delegierter Morris Myer (England, jüdisch): Mein Antrag geht dahin, daß es heiße: „Vermögen oder Einkommen". Es gibt Menschen, die kein Vermögen haben, sondern nur ein Einkommen, und andere, die Vermögen haben und kein Einkommen. (Zwischenrufe.) Berichterstatter Dr. Hantke: Geehrter Kongreß! Auch diese Frage ist in der Kommission sehr eingehend besprochen worden. Es ist ein Vorschlag, daß man Maasser nur vom Einkommen verlangen soll. Für die Leute, die kein Vermögen haben, ist die Situation klar. Der Reiche oder der Wohlhabende wird aber geschont, er zahlt auch nur vom Einkommen, genau so wie derjenige, der kein Vermögen hat. Ich glaube, daß es nach der heutigen Auffassung begründet ist, daß der Wohlhabende auch etwas vom Vermögen gebe und nicht nur vom Einkommen. Ferner wurde gesagt, man soll vom Vermögen oder vom Einkommen geben. Geehrter Kongreß! Wir kennen uns doch selbst. Können wir die Sache so fassen, daß wir den Juden auffordern, nachzudenken, wobei er billiger wegkommt? Das ist doch keine Möglichkeit. Deshalb bitte ich Sie namens der Kommission, den Antrag unverändert anzunehmen, der hier gestellt ist. Ich betone noch einmal, was Mr. Myer vorgetragen hat, hat eine gewisse Berechtigung, aber es kann dem nur dadurch Rechnung getragen werden, daß das Direktorium des Keren Hajessod die Verhältnisse berücksichtigt. Wir müssen uns überhaupt klar sein, daß wir nicht alle Dinge mit einer Formel erfassen können. Es gibt genug Juden, die Ihnen heute sagen werden: ich habe dieses Jahr kein Einkommen 576