Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 570 (sequence 580)
- Language
- German, English, Hebrew
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müssen und endlich das, was mit Ruhe gemacht werden muß, die Investments. Herr Simon hat sich insbesondere an einem Punkt gestoßen. Er ist dagegen, daß Zertifikate ausgegeben werden, daß man eine gewisse Verzinsung in Aussicht stellt, wenn die wirtschaftlichen Unternehmungen des Keren Hajessod einen solchen Ertrag bringen. Herr Simon kennt als einer der Teilnehmer der letzten Jahreskonferenz genau die Erwägungen, die uns dazu geführt haben, die Einrichtung des Investments zum Keren Hajessod hinzuzulügen. Die Erwägungen waren vor allem die, daß es große öffentlich-wirtschaftliche Unternehmungen gibt, die im Interesse des Gemeinwohls liegen und von denen wir haben wollen, daß sie nicht privatwirtschaftlich durchgeführt werden. Wir würden es z. B. nicht als Ideal ansehen, wenn eine Hypothekenbank, die den städtischen Grundmarkt beeinflußt, in den Händen von Privaten liegt. Wir würden nicht wünschen, daß z. B. Licht-, Luft- und Wasserversorgung der privatwirtschaftlichen Ausnützung überliefert werden. Was wir wünschen, ist, daß durch große wirtschaftliche Unternehmungen öffentlichen Interesses der Keren Hajessod die Vorbedingung schafft für die Entwicklung eines gedeihlichen privatwirtschaftlichen Verkehrs. Nun ist da die Frage der Verzinsung. An sich ist das Versprechen einer Verzinsung sicherlich etwas, was den ganzen technischen Verkehr und den technischen Aufbau des Quittungswesens des Keren Hajessod außerordentlich vergrößert und erschwert. Darüber ist nichts zu sagen. Aber es ist eine Frage, die im Grunde genommen auch wieder erst durch die Erfahrung gelöst werden muß. Es ist von Herrn Simon wieder die Forderung aufgestellt worden, die uns von Amerika bekannt ist, den Keren Hajessod zu einem reinen Spendenfond zu machen. Aus den Gründen, die ich vorhin genannt habe, widerspricht dies aber den Notwendigkeiten. Ein reiner Spendenfond ist etwas, was nicht zur Wirtschaftlichkeit erzieht. Ein Fond, der mit wirtschaftlichen Elementen verbunden ist, mit Elementen des öffentlichen Interesses ist geeigneter, dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina Mittel zuzuführen, als die, wie wir wissen, längst überholten Methoden und Appelle der gewöhnlichen Spendensammlungen. Um den Keren Hajessod aus dem niedrigen Niveau der Spenden zur Höhe des Maasser hinaufzuführen, müssen wir den Keren Hajessod mit einem starken Element der Wirtschaftlichkeit ausstatten. Die reine Spende als Prinzip erschüttert den Glauben an die Wirklichkeit. Die Spende des Maasser, verknüpft mit der wirtschaftlichen Investierung, erhöht die Bereitwilligkeit. Das ist gleichfalls eine Sache, die die Erfahrung bestätigt hat. Ich würde darum glauben, daß der Kongreß gut daran tun würde, wenn er die Resolutionen, die von der Kommission vorgelegt werden, als das Resultat einer auf Erfahrung gestützten Analyse akzeptiert und sich nicht in eine neue Versuchskampagne einlassen würde. Es war außerordentlich schwer, den Keren Hajessod in dem System, wie er ist, in Gang zu bringen. Es wäre ein gefährliches Experiment, ihn mitten in seinen ersten Gehversuchen ein anderes Tempo nach einer anderen Richtung gehen zu lassen. Was wir zu tun haben, ist, ihn auszubauen und sachgemäß den Erfahrungen anzupassen. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Motzkin: Die Sitzung wird bis K9 Uhr vertagt. Ich schließe die jetzige Sitzung. Schluß der Sitzung: 7 Uhr 30 Minuten abends. 570