Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 486 (sequence 496)
- Language
- German, English, Hebrew
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Mitglied der Exekutive Richard Lichtheim (deutsch): Geehrter Kongreß! Zu den Aufgaben, die dieser Kongreß zu lösen hat, gehört mit in erster Linie die Neuordnung unserer Organisation. Wenn wir auf diesem Kongreß über Organisation sprechen, so meinen wir nicht nur die Einführung neuer Paragraphen bei Beratung unseres Statuts, sondern wir meinen etwas anderes, und das ist in erster Linie die Erneuerung des Organisationsgedankens überhaupt. Wir haben uns hier die Frage vorzulegen, wozu wir die Zionistische Organisation brauchen, warum wir die Zionistische Organisation wollen, und dann erst können wir entscheiden, wie sie aufzubauen und wie ihr Statut zu ordnen ist. Ich will hier, bevor ich auf die wesentlichsten Punkte eingehe, eine Bemerkung vorausschicken. Wir müssen jetzt natürlich den veränderten Verhältnissen Rechnung tragen, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt haben, und da möchte ich etwas feststellen, was bisher in den Debatten noch gar nicht deutlich gesagt worden ist und was doch wahrlich einer Erwähnung wert ist, die Tatsache nämlich, daß wir zum erstenmale zu diesem Kongresse eine solche Schekelzahl haben, daß wir wirklich berechtigt sind, diesen Kongreß als die Repräsentanz des jüdischen Volkes anzusprechen. Wenn Sie sich an die früheren Zeiten erinnern, wenn Sie an die ersten Kongresse denken, so werden Sie, glaube ich, mir zustimmen, wenn ich sage, es darf uns mit Stolz und Genugtuung erfüllen, daß wir zu diesem Kongresse jetzt 770 000 Schekelzahler haben. Mit dieser Zahl können wir vor der gesamten Oeffentlichkeit im Judentum und außerhalb des Judentums mit dem Anspruch auftreten, das jüdische Volk zu repräsentieren; denn es gibt keine einzige jüdische Partei, die sich mit solchen Zahlen organisierter Anhängerschaft neben uns stellen könnte. Es ist notwendig, daß wir uns auf diesem Kongresse an diese Tatsache erinnern, um uns selbst Mut zu machen und die Sicherheit zu geben, daß wir berechtigt sind, für das jüdische Volk zu sprechen. Nun, meine Damen und Herren, wenn wir eine solche Zahl von organisierten Anhängern erreicht haben, so ist es notwendig, daß wir die Formen unserer Organisation den geänderten Verhältnissen anpassen. Wir haben in früheren Zeiten auf je 200 Schekelzahler einen Delegierten zum Kongreß entsendet. Zu diesem Kongreß haben wir die Durchschnittsziffer auf 2000 festgesetzt und in unserem Antrage zum Organisationsstatute, der Ihnen im einzelnen von der Organisationskommission vorgetragen werden wird, haben wir diese Zahl bereits auf 2500 erhöhen müssen. Der Schekel, dieses erste und bedeutsamste Symbol unserer Organisation, hat nun durch die große Vermehrung unserer Anhängerzahl auch eine erhöhte praktische Bedeutung erfahren. Es wäre an und für sich durchaus möglich und sollte auch für die Zukunft als erstrebenswertes Ziel festgehalten werden, daß wir alle laufenden Administrativausgaben unserer Organisation 486